Den Humor im Brexit-Wirrwarr nicht verloren

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Mann mit Robe im Unterhaus
Neuer Präsident des Unterhauses: Lindsay Hoyle. (Foto: dpa)
Sebastian Borger

Trotz des schier endlosen Brexit-Streits haben britische Politiker ihren Humor nicht eingebüsst. Lindsay Hoyle, 62, beispielsweise hat sich kürzlich einen Papagei angeschafft und das Tier nach dem amtierenden Premierminister Boris Johnson genannt.

Am späten Montagabend wurde Labour-Mann Hoyle zum 158. Speaker des Unterhauses gewählt. Hartnäckig halten sich dort Zweifel daran, ob der Ex-Vize des heute legendären John Bercow den Mut und das Format dafür aufbringen wird, dem Regierungschef ins Wort oder in den Arm zu fallen. Bercow hatte dies gegen Ende seiner zehnjährigen Amtszeit sowohl bei Premier Johnson wie bei dessen Vorgängerin Theresa May häufig praktiziert. Zu häufig, fanden vor allem die Konservativen. Johnsons ölige Begeisterung über Hoyles „Freundlichkeit und Vernunft“ und Hoffnung auf „einen unparteiischen Speaker“ umreißt die Erwartungen der Regierung. Sie spiegelt eine verbreitete Stimmung im Unterhaus wider.

Dass der Favorit Hoyle durch vier quälend lange Wahlgänge musste, mag an seiner vergleichsweise schwachen Vorstellung gelegen haben. Dabei galt der leutselige, im unverkennbaren Dialekt seiner nordwestenglischen Heimat Lancashire sprechende Mann von Anfang an als Favorit. Der 62-Jährige kam 1997 ins Unterhaus, wo zuvor schon sein mittlerweile ins Oberhaus beförderter Vater gedient hatte. Zu Labours Regierungszeiten bis 2010 blieb Hoyle Hinterbänkler, schaffte dann den Sprung ins Parlamentspräsidium. Dort habe er, glauben Insider, still und zäh auf sein neues Amt hingearbeitet.

Der in zweiter Ehe verheiratete Vater zweier erwachsener Töchter hat Reformen angekündigt. So will er sein Vorgehen transparenter machen, indem er die Expertise seiner Chefbeamten öffentlich macht. Auch plant er die Einrichtung einer Arztpraxis samt psychologischer Beratungsstelle – auch wegen einer persönlichen Erfahrung: Vor zwei Jahren beging Hoyles 28-jährige Tochter Natalie Selbstmord, und der Tod beschäftige seine Familie „in vielerlei, auch ganz unerwarteter Weise“.

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