Demokraten müssen zwischen Vernuft und Gefühl entscheiden

Lesedauer: 2 Min
Vernuft oder Gefühl
Vernuft oder Gefühl
Frank Herrmann

Nun ist er in voller Schärfe entbrannt, der Streit bei den US-Demokraten. Die Partei ficht nicht nur aus, wen sie 2020 in den Zweikampf gegen Donald Trump schicken will. Sie hat auch zu entscheiden, in welche Richtung sie marschiert. Folgt sie dem Pragmatismus der Mitte, wie ihn Bill Clinton und Barack Obama praktizierten, zieht sie vielleicht mit besseren Chancen ins Finale, als es mit der linken Agenda einer Elizabeth Warren oder eines Bernie Sanders der Fall wäre. Zumindest in den Küstenmetropolen aber schlägt das Herz ihrer Basis so eindeutig links wie lange nicht. Es ist ein Duell zwischen Vernuft und Gefühl.

Ob der 76-jährige Joe Biden noch die Kraft hat, vier oder acht Jahre im Oval Office durchzustehen, daran gibt es schon jetzt erhebliche Zweifel. Sicher wäre es vermessen, von einer einzigen Schwächephase auf den Rest des Rennens zu schließen. Setzt sich die Pannenserie indes fort, ließe es nur den Schluss zu, dass das Wahljahr 2020 einfach zu spät kommt für den Veteranen, der 2016 nach dem Krebstod seines Sohnes nicht die Kraft zur Kandidatur fand. Darin läge eine große Portion Tragik, denn damals wäre Biden, der Arbeiter-Versteher mit volksnaher Sprache, wohl der Richtige gewesen, um dem Populisten Trump im Rostgürtel der alten Industrieregionen das Wasser abzugraben. Es wäre, müsste man im Nachhinein sagen, eine große, eine verpasste Chance gewesen.

politik@schwaebische.de

Mehr zum Thema
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen