DDR-Liedermacher Demmler: Selbstmord in der Haft

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Deutsche Presse-Agentur

Der wegen Kindesmissbrauchs angeklagte ostdeutsche Liedermacher Kurt Demmler hat sich offenbar im Gefängnis das Leben genommen. Wie ein Sprecher der Justizverwaltung Berlin am Dienstag mitteilte, wurde Demmler am Morgen tot in seiner Zelle in der Untersuchungshaft entdeckt.

Wenige Stunden später hätte der Prozess gegen Demmler fortgesetzt werden sollen. Im Laufe des Tages sollten weitere Einzelheiten zu den Todesumständen bekanntgegeben werden. Der 65-jährige DDR-Nationalpreisträger Demmler war wegen sexuellen Missbrauchs von Mädchen in mehr als 200 Fällen angeklagt.

Demmler soll sich von August 1995 bis November 1999 an sechs Schülerinnen im Alter von 10 bis 14 Jahren vergangen haben. Er hatte die Mädchen mit Castingterminen für eine angeblich geplante Band in seine Wohnung gelockt. Im Prozess hatte der Liedermacher die Aussage verweigert. Als einer der bekanntesten Rocktexter der DDR hat er unter anderem für Nina Hagen („Du hast den Farbfilm vergessen“), für Karat und die Puhdys geschrieben.

Demmler war zu DDR-Zeiten auch politisch aktiv. Er gehörte zu den Unterzeichnern einer Resolution, mit der Rockmusiker im Herbst 1989 Veränderungen in der DDR forderten. Am 4. November 1989 war Demmler auf dem Alexanderplatz in Ost-Berlin bei der Massendemonstration gegen das SED-Regime aufgetreten.

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