„Das Verhalten von Herrn Edathy ist ärgerlich“

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„Das Verhalten von Herrn Edathy ist ärgerlich“
„Das Verhalten von Herrn Edathy ist ärgerlich“
Schwäbische Zeitung

Rasmus Buchsteiner hat sich mit Christian Zainhofer, (Foto: oh) Vizepräsident des Deutschen Kinderschutzbundes, über den Edathy-Prozess unterhalten.

Verfahrenseinstellung gegen Sebastian Edathy: Wie haben Sie das „Geständnis“ empfunden – echte Reue oder nur Mittel zum Zweck?

Herr Edathy hat sich vor Gericht nicht selbst geäußert, sondern seinen Rechtsanwalt sprechen lassen. Das war ein taktisches Manöver mit dem durchschaubaren Ziel der Verfahrenseinstellung. Das Verhalten von Herrn Edathy ist ärgerlich: Im Gerichtssaal lässt er in seinem Namen erklären, dass die Vorwürfe zutreffen. Danach teilt er mit, dass er dies nicht als Schuldeingeständnis verstanden wissen möchte. Alles in allem deutet das darauf hin, dass sich Herr Edathy mit der dahinter stehenden Problematik nicht ernsthaft beschäftigt hat: Für die Bilder und Filme, die er sich beschafft hat, sind Kinder missbraucht worden.

Warum ist der Deal vor Gericht aus Ihrer Sicht problematisch?

Man kann natürlich die Frage stellen, ob ein Politiker hier anders behandelt wird als jemand anderes. Zudem entsteht der Eindruck, dass man sich von seiner Schuld freikaufen könnte. Ein solches Verfahren hat immer auch Signalwirkung.

Experten sagen, dass in Kinderpornografie-Verfahren eine Einstellung wie im Fall Edathy gängige Praxis ist, wenn es entweder um Ersttäter geht oder um eine überschaubare Anzahl Bilder und Filme. Was halten Sie entgegen?

Für mich ist nicht die Frage, wie oft ein Täter zugreift. Entscheidend ist, wie solche Bilder hergestellt werden. Wir wissen aus dem Ermittlungsverfahren gegen den kanadischen Anbieter, bei dem Herr Edathy Kunde war, dass die Kinder auf den Bildern auch für Hardcore-Pornografie missbraucht worden sind. Hierin begründet sich die Schwere der Schuld.

Wie ist es um die Präventionsarbeit in Deutschland bestellt?

Wir müssen bei der Prävention in Deutschland mehr tun. Es ist für Pädophile immer noch viel zu leicht, sich einschlägige Bilder aus dem Netz zu ziehen.

Die juristische Aufarbeitung ist erst einmal zu Ende. Was erhoffen Sie sich jetzt von der Politik?

Die politischen Umstände des Falls wollen wir nicht kommentieren.

Uns ist wichtig, dass dem Thema Kinderpornografie mit mehr Problembewusstsein begegnet wird.

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