So sieht Lauterbachs 7-Punkte-Plan gegen eine Corona-Welle ab Herbst aus

Mit einem Sieben-Punkte-Plan will das Bundesgesundheitsministerium sich gegen eine erneute Coronawelle im Herbst wappnen. (Foto: Matthias Balk/Sina Schuldt/Sebastian Gollnow/dpa)
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Auch wenn die Temperaturen in den vergangenen Tagen auf Rekordwerte geklettert sind und der Sommer gerade erst so richtig angefangen hat – im Herbst könnte sich das Pandemiegeschehen wieder deutlich verschlechtern. 

Das befürchten auch einige Länderchefs und haben zuletzt den Druck auf die Ampel-Koalition für einen konkreten Maßnahmen-Katalog erhöht. Zuletzt äußerte auch Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) erneut Forderungen nach einem "Instrumentenkasten für alle Fälle".

Wie nun Gesundheitsminister Karl Lauterbach in einem Bericht des Redaktionsnetzwerkes Deutschland mitteilt, geht der Expertenrat der Bundesregierung derzeit von drei möglichen Szenarien aus, in Richtung derer sich die Lage in den kalten Monaten entwickeln könnte. 

Drei Szenarien sind vorstellbar

Dominiert in den Herbstmonaten eine weniger gefährliche Corona-Variante das Infektionsgeschehen als der aktuell verbreitete Omikron-Typ, seien schärfere Maßnahmen nicht mehr oder nur zum Schutz von Risikopersonen nötig, so das Bundesgesundheitsministerium.

Für wahrscheinlicher hält der Expertenrat allerdings die Ausbreitung eines Virustyps, der mit den aktuellen Varianten vergleichbar ist. Ein Anstieg der Infektionszahlen und deutlich mehr Arbeitsausfällen in den kälteren Monaten wären dann voraussichtlich die Folge. 

Zur Eindämmung reichen in diesem Fall aber nach Einschätzung des Expertenrates moderate Maßnahmen wie eine kurzzeitige Einführung der Maskenpflicht und der Abstandsgebote in Innenräumen oder auch punktuelle Kontaktbeschränkungen.

Vor größere Herausforderungen würde die Bundesregierung dagegen eine neue Virusvariante stellen, die deutlich ansteckender ist und schwerere Krankheitsverläufe mit sich bringt.

Um eine erneute Überlastung des Gesundheitssystems abzuwenden, könnten erneut eingeführte Schutzmaßnahmen wie Maskenpflicht und Abstandsgebote erst im Frühjahr 2023 zurückgefahren werden.

Wie sich die Pandemie auch entwickelt, der Bund will für alle drei Szenarien gewappnet sein. Für alle Fälle hat Gesundheitsminister Karl Lauterbach dafür nun eine Corona-Herbststrategie entwickelt, die dem dem Redaktionsnetzwerk Deutschland vorliegt. Damit soll das Infektionsgeschehen auch in den kalten Monaten unter Kontrolle gehalten werden.

Sieben Punkte umfasst der Plan des Ministeriums, im Fokus stehen dabei unter anderem eine Anpassung der Impfkampagne, der Schutz von Jugendlichen und Risikogruppen sowie eine neue Teststrategie.

Das hat das Bundesgesundheitsministerium im Einzelnen vor:

1. Impflücke schließen und Risikogruppen schützen

Impfungen zum Schutz gegen das Corona-Virus bleiben aus Sicht des Gesundheitsministeriums weiterhin der Schlüssel zur Überwindung der Pandemie.

Mit einer neu ausgerichteten Impfkampagne hat sich das Ministerium das Ziel gesetzt, die verbleibende Impflücke zu schließen und vor allem bei den Risikogruppen für eine vierte Impfung zu werben.

Voraussetzung dafür ist eine ausreichende Verfügbarkeit der Impfstoffe Moderna und Biontech, die auf die Omikron-Variante angepasst ist.

2. Keine kostenlosen Schnelltests mehr

Zur Eindämmung des Infektionsgeschehens setzt das Gesundheitsministerium zwar weiterhin auf Prävention, kostenlose Bürgertests soll es aber nicht mehr geben.

Stattdessen beschränkt sich die Teststrategie des Bundes ab Ende Juni auf bestimmte Personengruppen, wie zum Beispiel Menschen mit Symptomen und in Corona-Hotspots, Klinikpersonal und Mitarbeiter der Pflege, Kleinkinder oder auch Geflüchtete aus der Ukraine.

Ebenfalls kostenlos testen lassen dürfen sich Schwangere in den ersten drei Monaten ihrer Schwangerschaft, da die Ständige Impfkommission (Stiko) eine Impfung gegen das Corona-Virus erst ab der 14. Woche empfiehlt.

Ausreichend Testmöglichkeiten, beispielsweise in Form von mobilen Stationen oder in Apotheken, soll es für alle Bürger aber weiterhin geben - Wenn auch in Zukunft kostenpflichtig.

3. Frühzeitige Behandlung zur Vorbeugung schwerer Verläufe

Vorsicht ist besser als Nachsicht. Das scheint nach wie vor die Maxime in Bezug auf die Behandlung von Coronainfizierten. Mit dem verstärkten Einsatz von Medikamenten, wie dem Pfizer-Präparat Paxlovid, will das Ministerium schweren Krankheitsverläufen künftig frühzeitiger entgegenwirken als bisher.

„Da sich die Sterblichkeit maßgeblich durch eine adäquate und rechtzeitige Behandlung reduzieren lässt, ist eine Behandlungsstrategie unerlässlich“, schreibt das Ministerium in diesem Kontext. Ein entsprechendes Konzept zum Einsatz der Arzneien wird derzeit noch von einem Expertenrat entwickelt.

4. Schutz von Risikogruppen

Ein umfassendes Versorgungs- und Hygienekonzept für Pflegeheime und ambulante Dienste ist nach Ansicht des Bundesgesundheitsministeriums Grundvoraussetzung, um den Alltag in den Einrichtungen trotz einer möglichen Herbstwelle aufrechtzuerhalten.

Die drei wichtigsten Schutzmaßnahmen, mit denen der Bund die vulnerablen Bewohner und Patienten bestmöglich schützen will, sind dabei:

  • Impfen
  • Testen
  • Maske tragen

Verpflichtend soll dafür jede Einrichtung einen Hygienebeauftragten sowie einen Beauftragten der Fachpflege ernennen, der sich im Falle einer Infektion um die frühzeitige Behandlung mit Medikamenten kümmert, heißt es in dem Punkteplan.

5. Täglicher Lagebericht aus den Kliniken

Krankenhäuser sollen in Zukunft gesetzlich dazu verpflichtet werden, alle für das Pandemiegeschehen wichtigen Daten an das Deutsche Elektronische Melde- und Informationssystem für den Infektionsschutz (DEMIS) zu melden.

Das zielt etwa auf die aktuelle Intensivkapazität, die Zahl der Corona-Erkrankten sowie die verfügbaren Betten auf den Normal- und Intensivstationen. Kommt ein Krankenhaus diesen täglichen Meldungen nicht nach, drohen Sanktionen.

6. Schutz von Kindern und Jugendlichen

„Kitas und Schulen müssen offenbleiben“ – das hält das Bundesgesundheitsministerium in seinem Sieben-Punkte-Plan als eines der wichtigsten Ziele im Umgang mit einer weiteren Pandemiewelle fest.

In einer gemeinsamen Konferenz werden die Gesundheits- und Kultusministerinnen und -minister von Bund und Ländern dafür in den kommenden Wochen Regeln festlegen, die dann bundesweit gelten sollen. Zusätzlich wirbt der Bund weiterhin für die Corona-Schutzimpfung, die die Stiko für Kinder ab einem Alter von 12 Jahren empfiehlt.

7. Erneuerung des Infektionsschutzgesetzes

Bis spätestens zum 23. September plant das Bundesgesundheitsministerium, das aktuelle Infektionsschutzgesetz an diese Herbststrategie anzupassen.

In die Novelle sollen dann sowohl die Erkenntnisse aus den Stellungnahmen des Corona-Expertenrats als auch die Auswertung der bisherigen Corona-Schutzmaßnahmen einfließen.

Neuerungen des Gesetzes werden unter anderem die tägliche Meldepflicht der Krankenhäuser sowie die Einführung eines Hygienebeauftragten und eines Behandlungskoordinators in den Pflegeeinrichtungen sein.

So belastend wirkte sich die Corona-Pandemie auf die Menschen aus, unterteilt nach Altersgruppen.
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