Contra-Frauenquote: Stigma, nein danke

Lesedauer: 3 Min
Contra-Frauenquote: Stigma, nein danke
Melanie Heike Schmidt

Es gibt kaum Schlimmeres, das man Frauen, die Karriere machen wollen, antun kann als eine Frauenquote. Denn mit ihr gießt man die Diskriminierung (in diesem Fall die der Männer) ins Gesetz und die Ungleichbehandlung in Beton.

Ein Beispiel: In einer Firma ist eine Führungsposition zu besetzen. Es gibt einen männlichen und einen weiblichen Anwärter, beide sind qualifiziert, ehrgeizig und gewillt, sich den Stress anzutun. Ist die Quote noch nicht erfüllt, bekommt die Frau den Job – und mutiert vom Leistungsträger zur Quotenfrau. Der Unterlegene darf sich fragen, warum er sich so angestrengt hat. Das schürt Neid.

Für die Frau bedeutet das Auswahlkriterium „weiblich“ eine Herabwürdigung ihrer Leistung. Und beschert ihr Probleme: Wird sie mit dem Stigma als Führungskraft respektiert werden? Kaum. Zugleich öffnet die Quote Mobbern Tür und Tor, der Schmähname „Quothilde“, der im Netz kursiert, lässt Böses ahnen.

Schon jetzt erobern immer mehr Frauen die Führungsetagen, kämpfen um echte Anerkennung, räumen Wege frei für Nachfolgende. Für sie wäre die Quote ein Pseudogeschenk, das die Erfolge schmälern, ja zunichtemachen würde.

Abgesehen davon ist die aktuelle Debatte eine rein elitäre. Was soll eine Regelung, die nur wenige Hundert, nämlich Vorstände und Aufsichtsräte börsennotierter Unternehmen, betrifft? Die gläserne Decke, die Frauen am Aufstieg hindert, liegt viele Etagen darunter. Sie bleibt – so lange, bis junge, gut ausgebildete Leute mit einem Menschenbild, in dem Gleichbehandlung selbstverständlich ist, selbst Jobs mit Personalverantwortung besetzen. Das Problem wächst sich heraus, langsam, aber sicher.

Die Ungleichbehandlung ist eine Schande, keine Frage, die Bedingungen für Frauen in der Arbeitswelt müssen sich ändern. Ihnen hilft man mit guter Kinderbetreuung, mit einer vernünftigen Balance zwischen Arbeit und Freizeit, mit fairer Bezahlung. Schwangerschaften dürfen nicht mehr das Karriereende bedeuten.

Zum Schluss empfiehlt sich noch ein Blick ins Grundgesetz. Dort steht: „Niemand darf wegen seines Geschlechtes (…) benachteiligt oder bevorzugt werden.“ Passt das zur Quote?

Wie ist Ihre Meinung zu dem Thema? Schreiben Sie an

Mehr zum Thema
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen