Clinton reist nach Seoul - Drohungen aus Nordkorea

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Deutsche Presse-Agentur

Kurz vor der Ankunft von US-Außenministerin Hillary Clinton in Südkorea haben die Armee des kommunistischen Nordkorea ihre kriegerischen Drohgebärden verstärkt.

Die Streitkräfte seien zu einer „uneingeschränkten Konfrontation“ gegen Südkorea bereit, warnte am Donnerstag laut der staatlich kontrollierten Nachrichtenagentur KCNA ein Sprecher der Volksarmee. Er beschimpfte die südkoreanische Regierung erneut als Gruppe von „Verrätern“ und unterstellte ihr, sie wolle die „Konfrontation gegen die Volksrepublik“ eskalieren lassen. Clinton wurde für den späten Abend (Ortszeit) in Seoul erwartet.

Clinton war während ihrer Asien-Visite am Morgen mit Indonesiens Staatschef Susilo Bambang Yudhoyono in Jakarta zusammengekommen. Der Besuch wurde als Signal der USA gewertet, enger mit dem bevölkerungsreichsten muslimischen Land der Erde zusammenarbeiten zu wollen. Die USA sind das zweitgrößte Exportland für Waren aus Indonesien. Beide Politiker sprachen zudem über die Klimapolitik. Beide Länder, die zu großen Teilen am weltweiten Ausstoß von Treibhausgasen beteiligt sind, hätten Interesse an einem Pakt gegen den Klimawandel, sagte Clinton in Jakarta, von wo aus sie nach Südkorea weiterflog.

Nordkorea kritisierte wie üblich scharf das geplante jährliche Großmanöver der US-Streitkräfte mit Südkorea. Das Manöver diene der Kriegsvorbereitung, hieß es in einem Bericht von KCNA. Beide Länder würden „einen hohen Preis“ dafür zahlen, wenn die Militärübungen wie angekündigt stattfinden würden. Die Streitkräfte der USA und Südkoreas hatten die Übungen tags zuvor für den 9. bis 20. März angekündigt.

Bereits im Januar hatte die Volksarmee vor einer offenen militärischen Auseinandersetzung gewarnt. Südkorea befürchtet, dass die Spannungen zu einem beschränkten militärischen Konflikt, etwa an der umstrittenen Seegrenze im Gelben Meer, eskalieren könnten. Die Beziehungen zwischen beiden Ländern haben sich seit dem Antritt des konservativen südkoreanischen Präsidenten Lee Myung Bak vor einem Jahr verschlechtert. Er vertritt eine härtere Haltung gegenüber Pjöngjang.

Bei einem Besuch in Japan hatte Clinton am Dienstag die Führung in Pjöngjang davor gewarnt, dass ein möglicher Raketentest in Nordkorea „nicht sehr hilfreich“ für die Entwicklung der Beziehungen zu den USA sein werde. Nach südkoreanischen Angaben bereitet Nordkorea den Start einer Langstreckenrakete vor. Im Mittelpunkt der politischen Gespräche Clintons in Seoul an diesem Freitag stehen die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel sowie die Programme Nordkoreas zur Entwicklung von Atomwaffen- und Raketenentwicklung.

Südkorea bekräftigte unterdessen sein Angebot an Nordkorea, den Dialog wieder aufzunehmen. Beide Seiten könnten dabei auch über die Umsetzung der Vereinbarungen der beiden bisher einzigen innerkoreanischen Gipfeltreffen von 2000 und 2007 sprechen, teilte das Vereinigungsministerium in Seoul mit.

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