Chef-Folterer der Roten Khmer vor Gericht

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Deutsche Presse-Agentur

30 Jahre nach dem Ende der Schreckensherrschaft der Roten Khmer in Kambodscha beginnt an diesem Dienstag der erste Völkermordprozess gegen einen Drahtzieher des damaligen Regimes.

Kaing Guek Eav (66) alias Duch leitete das Foltergefängnis Tuol Sleng in der Hauptstadt Phnom Penh, in dem zwischen 1975 und 1979 mehr als 16 000 Menschen umkamen. Sie wurden in Choeung Ek vor den Toren der Stadt ermordet und verscharrt. Auf dem Gelände des Massengrabs, einem von unzähligen „Killing Fields“, sind heute die Schädel von mehr als 8000 Opfern in einer Gedenkstätte zu besichtigen.

„Mit diesem Auftakt beginnen endlich die Prozesse, die zu einem Ende der Straflosigkeit für dieses grausame Regime führen“, sagte der deutsche Staatsanwalt Jürgen Aßmann, der der kambodschanischen Chefanklägerin Chea Leang assistiert. Nach Duch soll den vier anderen Angeklagten der Prozess gemacht werden, die hohe politische Verantwortung für das Regime trugen. Darunter ist unter anderem der Stellvertreter von Anführer Pol Pot, Nuon Chea. Pol Pot starb 1998.

Duch soll ab Dienstag auf der Anklagebank sitzen. Bei der ersten Anhörung geht es um die Auswahl der Zeugen und die Festlegung des weiteren Prozessfahrplans. Die eigentliche Verhandlung mit Zeugenaussagen beginnt voraussichtlich Ende März. Duch, früher Mathematiklehrer, hatte sich nach dem Ende der Roten Khmer jahrelang versteckt. Ein Journalist spürte ihn 1999 auf. Er hat seine Schuld eingestanden und seine Strafe bereits akzeptiert. Der Prozess dürfte drei bis sechs Monate dauern.

Die fanatischen Roten Khmer schafften Geld, Besitz und Bücher ab, rissen Familien auseinander, verlangten Denunziantentum und zwangen die Bevölkerung zu Frondiensten auf die Felder. Nach Schätzungen kamen zwei Millionen Menschen ums Leben, wenn nicht durch Folter und Mord, dann durch Krankheit und Hunger. Eine Aufarbeitung hat nie stattgefunden, weil das Land nach dem Einmarsch der Vietnamesen 1979 zur Front im Kalten Krieg wurde.

Das Tribunal steht wegen Vorwürfen der Korruption und politischen Einflussnahme in der Kritik. „Alle waren sich einig, dass das Tribunal internationalen Rechtsstandards genügen muss, um glaubhaft zu sein“, sagte Heather Ryan, die mit der Organisation „Open Society for Justice Initiative“ ein faires Verfahren sicherstellen will. „Doch wenn gehandelt werden muss, um die Unabhängigkeit und Integrität des Gerichts sicherzustellen, halten die Parteien sich zurück.“ Sie verlangt von internationalen Juristen und Geberländern mehr Druck, um solche Vorwürfe prüfen zu lassen.

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