Brexit-Partei von Farage überflügelt Labour und Torys

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Nigel Farage, EU-Abgeordneter für Großbritannien und Vorsitzender der Brexit-Partei, macht Wahlkampf.
Nigel Farage, EU-Abgeordneter für Großbritannien und Vorsitzender der Brexit-Partei, macht Wahlkampf. (Foto: dpa)
Sebastian Borger

Angesichts anhaltender Unsicherheit über den geplanten EU-Austritt dominiert der langjährige Europa-Abgeordnete Nigel Farage den britischen Wahlkampf. Gut zehn Tage vor der Europawahl sehen Umfragen die neue Brexit-Partei (BP) des Nationalpopulisten deutlich vor den etablierten Gruppierungen. Der konservativen Regierungspartei von Premierministerin Theresa May droht sogar ein katastrophaler Absturz. Als letzten Ausweg hofft die Regierungschefin auf eine neuerliche Abstimmung im Unterhaus über den bereits dreimal abgelehnten Austrittsvertrag; die für Montagmittag geplanten Gespräche mit der Opposition sollen dafür den Weg ebnen.

Am Sonntag erregte eine neue Umfrage der Firma Opinium Re-search für die Zeitung „Observer“ die Gemüter: Demnach wollen sich 34 Prozent der Wähler für BP entscheiden, mehr als für die beiden bisherigen Großparteien Labour (21) und Torys (11) zusammen. Die Regierungspartei würde von den proeuropäischen Liberaldemokraten (12) auf Platz vier verwiesen. Dieselbe Rangfolge, wenn auch mit deutlich anderen Zahlen, ergab eine Umfrage von ComRes: Hier läge BP (27) knapp vor Labour (25).

Mitglieder von Mays Regierung spielen die Zahlen herunter. Zu viele Menschen würden die ungeliebte Europawahl auch diesmal „als ultimative Protestabstimmung“ sehen, glaubt Bildungsminister Damian Hinds. Tatsächlich gewannen Fa-rages Nationalpopulisten, damals noch unter dem Ukip-Label, schon vor fünf Jahren die meisten Stimmen (27,4 Prozent). Die Beteiligung lag damals bei kaum mehr als einem Drittel.

Farage über alles

Diesmal dreht sich fast alles um die Person des seit 20 Jahren dem Brüsseler Parlament angehörigen Hohepriesters der EU-Gegnerschaft. Der Urnengang sei „ein Votum für den Farage-Brexit oder dagegen“, glaubt etwa Labours Ex-Premier Tony Blair und beschwört seine Landsleute, an der Wahl teilzunehmen: Wenn sie sich nicht dazu überwinden könnten, ihr Kreuz bei der Arbeiterpartei zu machen, sollten sie wenigstens EU-freundliche Gruppierungen wählen. Deren neueste, die sogenannte Change UK (Chuk), nutzt ihren TV-Werbespot zu einer Aufforderung an Farage, er solle sich in einer Live-Debatte mit Chuk-Sprecherin Heidi Allen messen.

Ausgestattet mit offenbar großzügigen Spenden eingefleischter EU-Gegner hat BP eine Reihe von professionell durchgestylten Großkundgebungen organisiert. Tausende tragen mit ihrem Eintrittsgeld zum Wahlkampfbudget bei. Wenn BP-Kandidaten wie die frühere Tory Anne Widdecombe oder die revolutionäre Marxistin Claire Fox die Menge im Saal ausreichend aufgeheizt haben, springt Farage auf die Bühne und bezichtigt die Premierministerin, May habe die Briten „absichtlich getäuscht“ und „um den Brexit betrogen“. Das Publikum antwortet mit lautstarken Buhrufen, wann immer May erwähnt wird.

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