Braml: „Trumps Anhänger leben in seiner Welt“

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Josef Braml
Josef Braml (Foto: DGAP)

Zur Person

Der Politikwissenschaftler Josef Braml ist Herausgeber und Leiter des Jahrbuchs Internationale Politik. Als Autor war er mit analytischen Werken wie „Der amerikanische Patient. Was der drohende Kollaps der USA für die Welt bedeutet“ oder jüngst „Trumps Amerika - auf Kosten der Freiheit: Der Ausverkauf der amerikanischen Demokratie und die Folgen für Europa“ erfolgreich. Braml betreibt zudem den politischen Blog https://usaexperte.com/blog/.

Der Politikwissenschaftler Josef Braml von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik glaubt, dass die Ära Trump nicht vorbei ist. Das sagte er im Gespräch mit Stefan Fuchs.

Erleben wir aktuell das Ende Präsident Trumps?

Wir sollten uns nicht dem Wunschdenken hingeben, dass dieser Spuk schnell vorbei ist und wir diese Krise aussitzen können. Trump wird weiterhin den Staat im Innern radikal abbauen und im Äußeren die regelbasierte Weltordnung zerstören, von der Deutschland elementar abhängt.

Wie ist die Stimmung der Menschen in den Staaten ?

Trumps Gegner sehen sich bestätigt. Trumps Anhänger leben in seiner Welt. Sie glauben an die Realität die er ihnen schafft. Sie unterstützen ihn weiterhin, weil er genau das macht, wofür sie ihn gewählt haben, nämlich das bestehende politische System aus den Angeln heben.

Was steht bei den anstehenden Halbzeitwahlen auf dem Spiel?

Laut Steve Bannon, der auch an eine Verschwörung des sogenannten Verwaltungsstaates gegen Trump glaubt, geht es um alles oder nichts. Sollten die Republikaner die Mehrheiten im Abgeordnetenhaus und im Senat verlieren, wäre auch das Weiße Haus vorzeitig in Gefahr, könnte es für Trump eng werden. Dem ehemaligen Chefstrategen Donald Trumps ist es gelungen, eine Gruppe anonymer Spender zu mobilisieren, um das Schlimmste zu verhindern. Viele Vermögende profitieren von Trumps Politik.

Lässt man Trump mehr durchgehen als seinen Vorgängern?

Ja, denn es herrscht Aufbegehren in den USA: Donald Trump wurde gewählt obwohl er – oder noch schlimmer: weil er die Regeln menschlichen Anstands und demokratische Prinzipien missachtete. Mit ihm entschieden sich seine Wähler gegen die etablierte Politik: gegen das politische Establishment in Washington, gegen ihre Rolle als globale Ordnungsmacht und gegen das freiheitliche Amerika, das vielen Menschen weltweit Vorbild und Orientierung war.

Könnte Trump wie Nixon enden?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass Trump im Falle einer drohenden Amtsenthebung einfach so mit dem Hubschrauber entschweben würde wie seinerzeit Nixon. Er spricht ja gerne von einer Hexenjagd gegen ihn und strickt an der Legende, der sogenannte ‚Staat im Staate‘ – das ist ein Code für die Geheimdienste – wolle ihn loswerden. Seine treusten Anhänger drohen offen bereits damit, einen Bürgerkrieg anzuzetteln. Die würde er schon auf die Barrikaden schicken.

Können die Republikaner von neuen Strategien wie der Fokussierung auf Straftaten von Migranten profitieren?

Die Strategie ist nicht neu; sie wird forciert, weil bewährt: Der Demagoge Trump hat unter anderem auch mit der Dämonisierung von Einwanderern die Wahlen gewonnen.

Zur Person

Der Politikwissenschaftler Josef Braml ist Herausgeber und Leiter des Jahrbuchs Internationale Politik. Als Autor war er mit analytischen Werken wie „Der amerikanische Patient. Was der drohende Kollaps der USA für die Welt bedeutet“ oder jüngst „Trumps Amerika - auf Kosten der Freiheit: Der Ausverkauf der amerikanischen Demokratie und die Folgen für Europa“ erfolgreich. Braml betreibt zudem den politischen Blog https://usaexperte.com/blog/.

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