Bluttest zur Erkennung von Down-Syndrom weiter umstritten

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Die Aktivistin Natalie Dedreux (Mitte), die mit dem Down-Syndrom lebt, bei einer Kundgebung
Die Aktivistin Natalie Dedreux (Mitte), die mit dem Down-Syndrom lebt, bei einer Kundgebung (Foto: Britta Pedersen)
Hajo Zenker

Kurz vor der Bundestagsdebatte zu vorgeburtlichen Bluttests an diesem Donnerstag hat SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach ein spezielles Gremium gefordert, das über Gentests entscheiden solle. Der medizinische Fortschritt sei rasant, Tests auf Autismus, Krebs, Stoffwechselkrankheiten oder auf Intelligenz befänden sich weltweit auf dem Vormarsch. Man brauche deshalb eine Gesamtabwägung, wo neben ärztlichen und ökonomischen Aspekten auch ethische, gesellschafts- und sozialpolitische Argumente berücksichtigt werden, sagte der SPD-Vizefraktionschef am Mittwoch. So müsse geklärt werden, was in Deutschland erlaubt und was verboten sein solle.

In Bezug auf den zur Debatte stehenden Bluttest, der verrät, ob ein ungeborenes Kind am Downsyndrom leidet, plädierte Lauterbach klar für eine Erstattung durch die Krankenkassen. Es gebe ja bereits einen Test auf das Downsyndrom, der bezahlt werde: Risikoschwangere haben seit über 30 Jahren den Anspruch auf eine Fruchtwasseruntersuchung.

Baden-Württembergs Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) sagte: „Dennoch fürchte ich mit den nun diskutierten Bluttests als Kassenleistung einen Dammbruch, ich fürchte, dass Menschen dann noch extremer auf ihre Behinderung, auf ihre Erkrankung reduziert werden.“ Er begrüßte die Diskussion des Bundestags. Bei diesem Thema gebe es „kein plattes Schwarz oder Weiß, kein Richtig oder Falsch“, so Lucha weiter.

Unterdessen demonstrierten am Mittwoch Gegner des Bluttests in Berlin für „Inklusion statt Selektion“. Etwa 150 Menschen, darunter eine Initiative von Eltern mit Downsyndrom-Kindern, zogen vom Gesundheitsministerium zum Brandenburger Tor. Bei der Demo lief auch die Aktivistin Natalie Dedreux mit. Die 20-Jährige mit Downsyndrom hat die Petition „Menschen mit Down-Syndrom sollen nicht aussortiert werden“ initiiert. Mehr als 14000 Menschen haben bisher unterzeichnet.

Kirchen sind uneins

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki kritisierte die bisherige Diskussion. Es beunruhige ihn sehr, dass nur noch über eine Kostenübernahme geredet werde, sagte er der „Kirchenzeitung Köln“. Im Gegensatz zur Katholischen Kirche befürwortet die Evangelische Kirche, den Test plus Beratung zur Kassenleistung zu machen, weil dieser „für die schwangere Frau und das ungeborene Kind einen erheblich schonenderen Charakter“ als die Fruchtwasseruntersuchung habe, hatte EKD-Ratspräsident Heinrich Bedford-Strohm erklärt.

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