Bis zu 70 Tote bei Protesten auf Madagaskar

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Deutsche Presse-Agentur

Auf Madagaskar haben die Bewohner der Hauptstadt Antananarivo nach zweitägigen Protesten, Zerstörungen und Plünderungen eine relativ ruhige Nacht verbracht. Die am Vortag verhängte Ausgangssperre für die gesamte Insel wurde in der Nacht zu Mittwoch nachdrücklich umgesetzt.

Militärfahrzeuge mit schwer bewaffneten Soldaten kontrollierten auch die Außenbezirke der Stadt. Die Zahl der bei den Protesten ums Leben gekommenen Menschen wurde im Rundfunk mit „knapp 70“ angegeben. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es zunächst nicht.

Die deutsche Botschaft appellierte in einem Rundbrief an deutsche Staatsbürger in Antananarivo, die Wohnungen nach Möglichkeit nicht zu verlassen. Im Rundfunk warnten Experten vor einer Knappheit und damit Verteuerung lebenswichtiger Güter. Das Militär informierte über räuberische Banden, die mit Schnellfeuergewehren Passanten überfielen. Die Waffen seien von Soldaten bei ihrem überstürzten Rückzug auf ein in Brand gesetztes Medienzentrum zurückgelassen worden.

Die Krawalle hatten am Montag nach einer Demonstration gegen die Regierung begonnen, zu der Antananarivos Bürgermeister Andry Rajoelina zum Auftakt eines Generalstreikes aufgerufen hatte. Der Volkszorn hatte sich zunächst gegen Unternehmen aus dem Firmen- Imperium von Präsident Marc Ravalomanana gerichtet, war dann aber völlig außer Kontrolle geraten. Die Krawalle hatten am Dienstag von der Hauptstadt aus auf zahlreiche große Städte übergegriffen. Der Staatschef erklärte inzwischen, die anhaltende Destabilisierung der demokratisch gewählten Regierung habe den Höhepunkt weit überschritten.

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