Bewährtes grünes Strickmuster

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Eins links, eins rechts
Eins links, eins rechts (Foto: Roland Rasemann)

Sind die Grünen eine linke Partei? Wenn man Claudia Roth fragt, wird man eine andere Antwort bekommen als von Winfried Kretschmann. Sicher aber ist, dass die Grünen seit ihrer Gründung einen großen Schritt in Richtung Mitte gemacht haben und daher auch ihren Erfolg speisen. Hinzu kommt, dass ihr Kernthema Umwelt Hochkonjunktur hat, weil viele Deutsche sich Sorgen um die Zukunft ihrer Kinder machen. Die Grünen fühlen sich im Kern links, sind aber mit ihrer Realo-Spitze zufrieden. Mit Robert Habeck haben sie eine Führungsfigur, die Hausfrauen und Intellektuelle gleichermaßen anspricht. Kein Wunder, dass andere Parteien neidisch werden und genau hinsehen.

Habeck nutzt das derzeitige Hoch, um seiner Partei wieder ein bisschen Revoluzzer-Image zu verpassen, indem er Enteignungen für möglich hält. Die Realpolitik der Grünen sieht indes anders aus. Dort, wo sie regieren, sind sie alles andere als weit links. Man weiß aber seit dem Grünen-Parteitag von 1998, bei dem sie gefordert hatten, dass ein Liter Benzin fünf Mark kosten müsse, dass ein einziger Beschluss reichen kann, die Partei wieder abstürzen zu lassen. Denn eines ist auch sicher: Ein bisschen mehr für eine gute Umwelt wollen viele gerne zahlen – aber bitte nicht aus ihrem eigenen Geldbeutel.

s.lennartz@schwaebische.de

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