Bernd Stegemann ist der Kopf hinter „Aufstehen“

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Bernd Stegemann leitet den Trägerverein für die „Aufstehen“-Initiative.
Bernd Stegemann leitet den Trägerverein für die „Aufstehen“-Initiative. (Foto: Imago)

Wer das Impressum der Bewegung „Aufstehen“ liest, stößt nicht etwa auf den Namen der Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht, die prominent im Rampenlicht steht. Als Vorstand des Vereins wird dort Bernd Stegemann genannt, kulturbeflissenen Menschen bislang als Theaterdramaturg an mehreren großen Bühnen Deutschlands bekannt. Der 51-Jährige ist sozusagen die graue Eminenz in Wagenknechts neuer Sammlungsbewegung. Die Wochenzeitung „Zeit“ sieht in ihm den Mann, der „den größten Einfluss als Ratgeber hat“ und im Dienste der Linken-Fraktionschefin die Fäden ziehe und Künstler, Intellektuelle und Wissenschaftler zusammenbringe. In dieser Tätigkeit war Stegemann wohl recht erfolgreich, wie die knapp 110 000 Anmeldungen belegen.

Wer bei der Entstehung der neuen Sammlungsbewegung die Henne oder das Ei war, lässt sich von außen schlecht beurteilen. Stegemann selbst sagt, zwei „Zeit“-Essays aus seiner Feder hätten Wagenknecht auf ihn und seine Gedanken zum Populismus aufmerksam gemacht. Darin kritisierte er die Flüchtlingspolitik von Kanzlerin Angela Merkel und die Scheinheiligkeit gut situierter Linker, die „gratismutig“ eine Willkommenskultur forderten und den Konkurrenzdruck durch Zuwanderung ignorierten. Wagenknecht scheint von diesen Sätzen so angetan gewesen zu sein, dass sie sich mit ihm zusammentat und weitere von der Politik frustrierte Mitstreiter um sich scharte.

Bis dato war Bernd Stegemann weniger im Politik- als im Kulturbetrieb präsent. Der 1967 in Münster geborene Dramaturg und Autor lehrt seit 2005 als Professor an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin und arbeitet seit diesem Jahr als Dramaturg am Berliner Ensemble. Als Theatermann hat er 2015 das Buch „Lob des Realismus“ veröffentlicht, in dem er – einer langen Traditionslinie folgend – für eine Politisierung der Gegenwartskunst und des Theaters plädierte. Dass er die Grenze zum Politischen nun selbst überschritten hat, hat ihm viel Kritik eingebracht – insbesondere den Vorwurf, selbst ein Populist zu sein.

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