Berichte über Kämpfe und Meuterei auf Madagaskar

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Deutsche Presse-Agentur

Auf Madagaskar hat es nach noch unbestätigten Berichten eine Meuterei gegeben. Soldaten zweier größerer Kasernen im Süden der Hauptstadt Antananarivo sagten im Rundfunksender Antsiva, sie nähmen keine Befehle mehr von Präsident Marc Ravalomanana entgegen.

Ihre Aufgabe sei es, die Bevölkerung zu beschützen, nicht gegen die Menschen zu kämpfen, sagten die Soldaten. Der Sender stellte wenig später den Betrieb ein. Augenzeugen berichteten von Straßensperren sowie vereinzelten Schüssen und Explosionen im Ortsteil Soarierana. Ein aus der Stadt Antsirabé kommender Zug wurde 20 Kilometer vor der Hauptstadt mit Hinweisen auf Kämpfe gestoppt. Die französische Botschaft riet ihren Landsleuten in SMS-Hinweisen dringend von einem Betreten des Viertels ab. Nach offiziell unbestätigten Berichten haben einige Meuterer damit begonnen, Waffen an Studenten auszugeben.

Der Fernsehsender TV-plus zeigte am Abend Bilder von Mitgliedern der Ravalomanana ergebenen Präsidentengarde, die von Meuterern aus ihren Geländewagen gezerrt wurden. Unklar war zunächst, welchen Rückhalt die Meuterer in ihren eigenen Reihen haben. Am Abend hieß es im staatlichen Fernsehen, die Lage sei unter Kontrolle, die Meuterei nichts weiter als eine Finte. Ein klares Bild der Situation ist jedoch schwierig, da nur noch wenige unabhängige Sender berichten.

Auf der der Tropeninsel vor der Südostküste Afrikas tobt seit Monaten ein blutiger Machtkampf zwischen Ravalomanana und seinem Widersacher Andre Rajoelina, der ihm Machtmissbrauch vorwirft und sich selbst zum Präsidenten einer Übergangsregierung erklärt hat. Dem Konflikt fielen bisher mindestens 140 Menschen zum Opfer, zahlreiche weitere wurden verletzt.

In den vergangenen Tagen hatte das Militär den Druck auf die Demokratiebewegung von Rajoelina verschärft, der am Wochenende offensichtlich vor seiner geplanten Festnahme untertauchte. Das Militär, das nach unbestätigten Berichten von südafrikanischen Beratern unterstützt wird, hatte Versammlungen von Rajoelinas Anhängern in den vergangenen Tagen mehrfach gewaltsam aufgelöst.

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