Bericht: CSU-Chef Söder soll zu Sondierung und Kanzlerschaft gedrängt werden

Abschluss Parteitag der CSU
11.09.2021: Markus Söder und Armin Laschet beim Parteitag der CSU. (Foto: Peter Kneffel / dpa)
Chef vom Dienst Digital / stellv. Leiter Digitalredaktion

In der Union gebe es Anstrengungen, CSU-Chef Söder zu Sondierungsgesprächen mit Grünen und FDP zu drängen. Sollte es dann mit Jamaika klappen, soll sich Söder zur Kanzlerwahl aufstellen lassen. Das berichtet das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) unter Berufung auf unionsinterne Kreise.

Für Söders Bereitschaft zu diesem Zug werde laut RND innerhalb der Union Söders Entscheidung am Wahlabend gewertet, nicht den Gang in die Opposition ins Spiel gebracht zu haben. Damit habe er sich noch eine Hintertür für anderweitige Machtoptionen offengehalten.

Wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland weiter berichtet, könne auch die Personal-Rochade bei den Grünen ein Argument für die Union sein, die Karten intern neu zu mischen. So wie Robert Habeck in einer neuen Bundesregierung als Vize-Kanzler gehandelt wird - und nicht Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock - sei ein ähnlicher Rollentausch auch innerhalb der Union denkbar.

In der Union brodelt es - Laschet unter Beschuss

Fakt ist: In der Union brodelt es. Vereinzelt wurden bereits Rufe nach Laschets Rückzug laut. Obwohl die Union auf 24,1 Prozent abstürzte und die SPD mit Olaf Scholz stärkste Partei wurde, hatte der Kanzlerkandidat der Union noch am Wahlabend bekräftigt, dass er eine Jamaika-Koalition mit FDP und Grünen anstrebt. Das stößt bei einigen in der Union nicht nur auf Verwunderung, sondern führt zu unmissverständlicher Kritik.

Niedersachsens CDU-Chef Bernd Althusmann erklärte etwa: "Wir sollten jetzt demütig und respektvoll den Wählerwillen annehmen, mit Anstand und Haltung. Es war Veränderung gewollt."

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier betonte: "Wir haben keinen Anspruch auf Regierungsverantwortung." Die deutlichste Kritik an Laschets Rhetorik kam von Junge-Union-Chef Tilman Kuban: "Wir haben die Wahl verloren. Punkt." Der klare Auftrag liege bei SPD, Grünen und FDP.

Die Gedankenspiele über einen internen "Putsch" zugunsten von Markus Söder wecken Erinnerungen an den heftigen Machtkampf zwischen Söder und Laschet im Rennen um die Kanzlerkandidatur. 

Söder und Laschet telefonieren wegen Wahl zum Fraktionsvorsitz

So beeilte sich bereits CSU-Europapolitiker Manfred Weber nach der desaströsen Bundestagswahl zu betonen, dass der CDU die Option mit Söder als Kanzlerkandidat angeboten worden war. Dies hätte auch das schlechte Ergebnis der CSU in Bayern verhindert, da man in diesem Fall  "viel, viel besser" abgeschnitten hätte, ist sich Weber sicher. Söder selbst betont hingegen jüngst, der CSU sei nicht an "Rückspielen" gelegen.

Wie die Deutschen Presse-Agentur berichtet, haben Söder und Laschet am Dienstag miteinander telefoniert. Dabei sei es aber um eine Kompromisslösung für die Wahl des Unionsfraktionsvorsitzenden gegangen. Bis zur geplanten Wahl am Dienstagabend soll eine einvernehmliche Lösung erarbeitet werden, die alle mittragen könnten. Damit soll eine Kampfkandidatur bei der Abstimmung verhindert werden.

Neben dem bisherigen Fraktionschef Ralph Brinkhaus war in der Diskussion, dass auch Jens Spahn, Norbert Röttgen und Friedrich Merz für das Amt kandidieren. Söder und Laschet hätten im Lauf des Tages bereits mehrfach zum Thema telefoniert. Aus Unionskreisen hieß es zudem, man sei weiterhin zu Gesprächen mit FDP und Grünen zu einem möglichen Jamaika-Bündnis bereit. Von der FDP und den Grünen gebe es entsprechende Signale für eine Gesprächsbereitschaft.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr Inhalte zum Dossier

Die Kommentarfunktion ist für Sie aktuell gesperrt. Bitte wenden Sie sich an unseren Kundenservice für weitere Infos.
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen