Bamf-Beamtin Schmid bringt Seehofer in Nöte

Lesedauer: 3 Min
Umtriebig: Josefa Schmid ist Sängerin, Bürgermeisterin und Bamf-Beamtin.
Umtriebig: Josefa Schmid ist Sängerin, Bürgermeisterin und Bamf-Beamtin. (Foto: dpa)
Schwäbische Zeitung

Eigentlich müsste Horst Seehofer in seiner Eigenschaft als Heimatminister große Sympathie für Josefa Schmid empfinden: Die 44-jährige Bamf-Beamtin ist gebürtige Bayerin, trägt gerne Dirndl und gibt auf Youtube Schlager zum Besten. Sie wiederum hat sich „unendlich darüber gefreut“, dass der CSU-Politiker im März Bundesinnenminister wurde. Trotzdem dürfte Seehofer nicht gut auf Schmid zu sprechen sein. Denn sie hat ihn in die Bremer Bamf-Affäre hineingezogen.

Rund um seinen Wechsel nach Berlin hatte Schmid wiederholt versucht, ihn auf den „größten Flüchtlingsskandal der Republik“ hinzuweisen, nämlich auf vermutlich manipulierte Asylbescheide der früheren Bremer Bamf-Außenstellenleiterin Ulrike B. und auf den angeblich mangelnden Aufklärungswillen der Bamf-Zentrale. Doch das Ministerium reagierte nicht so zügig, wie von Schmid erhofft, und Seehofer geriet deshalb in Erklärungsnot.

Die 44-Jährige ist nicht nur Beamtin beim Bamf, sondern auch ehrenamtliche Bürgermeisterin der 3000-Einwohner-Gemeinde Kollnburg im Bayerischen Wald, außerdem sitzt sie für die FDP im Kreistag von Regen.

Bis 2012 war die Katholikin noch in der CSU – und erwies sich als Rebellin: Weil sie zur Kollnburger Bürgermeisterwahl 2008 nicht von der eigenen Partei aufgestellt wurde, kandidierte sie auf einer freien Liste und brachte den eigenen CSU-Parteifreund um den Sieg. 2011 versuchte sie ein ähnliches Manöver bei der Landratswahl, wurde daraufhin aller Parteiämter enthoben und wechselte schließlich 2012 zur FDP.

Als Bamf-Beamtin wühlte sie sich durch die Akten ihrer Vorgängerin Ulrike B. Am Ende glaubte sie, noch mehr manipulierte Asylbescheide entdeckt zu haben als die mittlerweile eingeschaltete Staatsanwaltschaft, nämlich über 3300 statt 1200 Fälle. Als die Medien die Vorwürfe publik machten, reagierte das Bundesamt prompt – mit einer Umsetzung der aufmüpfigen Beamtin zurück an ihren früheren Dienstort Deggendorf „aus Fürsorge“. Eckhard Stengel

Mehr zum Thema
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen