Bärendienst für die Vernetzung

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Bärendienst für die Vernetzung
Bärendienst für die Vernetzung
HajoZenker

Wenn jeder Arzt weiß, was ein anderer Mediziner an Arznei verordnet oder welche Untersuchungen ausgeführt wurden, spart das Zeit, Geld und nützt der Gesundheit. Werden dann noch Messwerte zu Bewegung und Puls, die viele mit einem schlauen Armband erheben, der für Mediziner und Patient jederzeit zugänglichen elektronischen Patientenakte zugefügt, ergibt das eine Datenlage, die hilft, Behandlungsfehler zu vermeiden. So kann die Digitalisierung unnötiges Leid verhindern, sie kann Leben retten. Immerhin sterben laut des Aktionsbündnisses Patientenschutz 20 000 Deutsche pro Jahr wegen vermeidbarer Komplikationen. Bis zu 800 000 weitere Patienten müssten wegen unnötiger Behandlungsfehler Schmerzen ertragen.

Nur wird daraus nichts, wenn man Datenschutzbedenken ignoriert. Seit Jahren wird der mangelhafte Datenschutz – etwa von Ärzten – immer wieder thematisiert und als Argument gegen eine Vernetzung ins Spiel gebracht. Und das bremst in einem Land, das seit Jahren anderen Ländern bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen hinterherhinkt. Einem Land, das sich mit der eAkte ein jahrelanges Trauerspiel geleistet hat. Einem Land, das mit Jens Spahn (CDU) nun einen Gesundheitsminister hat, der endlich aufs Tempo drückt. Er setzt auf Videosprechstunden, elektronische Rezepte und Krankschreibungen oder das Buchen von Arztterminen im Netz.

Wenn dann aber tatsächlich Millionen Röntgenbilder oder Brustkrebsscreenings durch Schlampigkeit weltweit einsehbar sind, darunter Tausende aus Deutschland, erweist man einer besseren medizinischen Versorgung einen Bärendienst. Natürlich sind die heutigen Verhältnisse auch mangelhaft. In vielen Praxen gehen Befunde per Fax raus, liegen offen herum, kommen durch einen Zahlendreher sonst wo an. Veränderung ist also nötig. Sie gelingt aber nur, wenn sie Verhältnisse verbessert. Sicherheit und unbedingtes Einverständnis der Patienten sind Grundvoraussetzung dafür. Nur so kann Digitalisierung tatsächlich viele Leben retten.

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