Automatisch Organspender? - User von Schwäbische.de haben eine klare Meinung

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Transplantationszentrum am Uniklinikum Leipzig
Eine Abgeordnetengruppe um Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und den SPD-Fachpolitiker Karl Lauterbach macht sich für eine „doppelte Widerspruchslösung“ stark. (Foto: Waltraud Grubitzsch / dpa)
Schwäbische Zeitung

Eine Abgeordnetengruppe um Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und den SPD-Fachpolitiker Karl Lauterbach macht sich für eine „doppelte Widerspruchslösung“ stark.

Sie würde das bestehende Prinzip umkehren, dass Organentnahmen nur bei ausdrücklich erklärtem Ja zulässig sind. Stattdessen soll jeder automatisch Spender sein - man soll dem aber jederzeit widersprechen können und müsste das in einem neuen Register speichern.

Vor einer Transplantation müsste ein Arzt dort abfragen, ob es eine Erklärung gibt. Falls nicht und es auch sonst kein schriftliches Nein gibt, ist der nächste Angehörige zu fragen - aber nicht nach einer eigenen Entscheidung, sondern ob er ein Nein oder einen anderen Willen des Verstorbenen kennt.

Wir haben Sie - die User von Schwäbische.de - befragt: Sollte jeder Bürger automatisch Organspender sein?

Eine Auswahl an Meinungsbeiträgen:

Wer nicht spenden will, sollte auch keinen Anspruch auf ein Organ haben.

Dieter G.: "Diese Frage kann ich nur eindeutig mit einem Ja beantworten. Es ist ein Trauerspiel zuschauen zu müssen, wie lange unsere Bundesregierung bei diesem Thema wieder rumeiert. Jeder kann widersprechen, wenn er nicht spenden will. Allerdings bin ich der Meinung, dass derjenige dann auch keinen Anspruch auf ein Organ haben sollte. Und die Strafen für Betrügereien in Zusammenhang mit Organspenden sollten auch deutlich höher sein."

Es gibt so viele verzweifelte Menschen.

Gosia C. via Facebook: "Ich bin auf jeden Fall dafür, habe selber seit Jahren einen Organspendeausweis. Es gibt so viele verzweifelte Menschen, die auf eine Spende und neues Leben hoffen."

Ethisch nicht vertretbar.

Roland H.: "Dies ist meiner Meinung nach ethisch nicht vertretbar."

Wenn man betroffen ist, kann man das nur begrüßen.

Anna P. via Facebook: "Der Sohn einer Bekannten, ein junger Mann, lebt nur noch aufgrund der zweiten gespendeten Lunge. Eine englische Freundin lebte dank der gespendeten Leber. Sobald man betroffene Familien kennt oder die eigene davon betroffen ist, kann man die geplante Gesetzesänderung nur begrüßen."

Ich empfehle, mal auf eine Dialysestation zu gehen.

Patricia G. via Facebook: "Warum behaupten viele Leute, dass es Pflicht wäre, ein Organ zu spenden? Man hat in jedem Fall die Wahl, ob man Spender sein will oder nicht. Ich empfehle, mal auf eine Dialysestation zu gehen. Schaut euch um, wer da auf eine Niere wartet. Jeder von uns könnte da sitzen."

Schweigen heißt keine Zustimmung.

Karl M.: "Ich bin gegen die geplante Widerspruchsregelung. Schweigen heißt keine Zustimmung. Mit dieser Regelung hofft man wohl auf viele 'Vergessliche'. Können Jugendliche mit 16 Jahren die Tragweite abschätzen? Wo bleibt die Auseinandersetzung mit der Frage, was ist Hirntod? Ist der Mensch wirklich tot beim Hirntod? Wo bleibt das Recht auf Menschenwürde und in Ruhe und Würde sterben zu können?"

Wenn der eigene Partner einem Spender sein Leben verdankt, lernt man anders zu denken.

Annette H. via Facebook: "Ich finde es gut. In anderen Ländern ist das längst so. Es wird trotzdem geprüft, ob der Patient in Frage kommt. Schon wegen Vorerkrankungen ist eh nicht jeder geeignet. Wenn der eigene Partner einem Spender sein Leben verdankt, lernt man anders zu denken."

Bürger sollten sich bei Passausstellung entscheiden müssen.

Manfred S.: "Ich wäre für eine Lösung, die weder bevormunden, noch das Thema versanden ließe. Weder Zustimmung noch Ablehnung legt der Staat fest. Hingegen wird jeder Bürger bei der Ausstellung eines Passes verpflichtet, für sich eine persönliche Entscheidung zu treffen. Falls datenschutzrechtlich möglich, könnte diese Entscheidung dann auch zentral hinterlegt werden, sodass sie im Notfall greifbar ist."

Man kann ja widersprechen.

Dieter S. via Facebook: "Da man widersprechen kann, ist ja nicht jeder automatisch Organspender. Und jeder muss das für sich entscheiden. Sehr wichtig ist es auch, in der Familie drüber zu reden, sodass man die Einstellung der anderen Familienmitglieder kennt."

Niemand wird gezwungen.

Markus H. via Facebook: "Was wiegt mehr, ein oder mehrere Leben zu retten, oder der kleine Aufwand, der Organspende zu widersprechen, wenn man nicht möchte? Niemand wird dazu gezwungen, Organe zu spenden. Sehr viele Leute würden ja spenden, haben aber aus verschiedenen Gründen keinen Spenderausweis, weil sie eventuell nicht daran denken oder den Aufwand scheuen."

Ob tot oder lebendig - es ist trotzdem mein Körper.

Hercules R. via Facebook: "Finde ich frech, egal ob tot oder lebendig - es ist trotzdem mein Körper und man sollte den Menschen aus Respekt fragen, ob er Spender sein möchte."

Viele Nachbarländer haben bereits diese doppelte Widerspruchsregelung.

Ralf C.: "Viele europäische Nachbarländer haben bereits diese doppelte Widerspruchsregelung und gleichzeitig auch eine deutlich höhere Spendebereitschaft. Ich bin der Meinung, dass diese Widerspruchsregelung daher sinnvoll ist, da sich somit alle Bürger*innen zumindest einmal im Leben mit diesem wichtigen Thema auseinandersetzen müssen, um für sich zu überlegen, will ich, oder will ich nicht. Liegt keine solche Entscheidung vor, müssen die Angehörigen entscheiden. Somit würde man diese Verantwortung auf andere abwälzen. Daher befürworte ich als erklärter Organspender diese Neuregelung absolut!"

Aus diesem wichtigen Thema sollte sich niemand einfach ausklammern dürfen.

Anja M.: "Ich bin eindeutig für die Widerspruchsregelung. Aus diesem wichtigen Thema sollte sich niemand einfach ausklammern dürfen. Jeder Bürger muss sich zumindest damit beschäftigen, weil jeder von uns selbst in die Situation kommen kann, ein Spenderorgan zu benötigen. Und wer dann dennoch widersprechen will, kann dies ja tun. Ich selbst habe seit meinem 20. Lebensjahr einen Organspendeausweis."

Nach dem Tod brauche ich meine Organe eh nicht mehr.

Anja A. via Facebook: "Nach dem Tod brauche ich meine Organe eh nicht mehr. Wenn dadurch eine Mutter länger bei ihren Kindern bleiben darf, ein Kind mehr erleben kann, ein Mensch überlebt, dann ist das Grund genug zu sagen: 'Ich spende gern!'"

Viele verdrängen den eigenen Tod und beschäftigen sich nicht mit der Frage.

Doris H. "Ich denke, es muss für jeden einen Punkt geben, an dem er oder sie sich entscheiden muss, ob Spender oder nicht. Deshalb erscheint mir der Vorschlag von Herrn Spahn einleuchtend. Bei der momentanen Lösung verdrängen viele Menschen den Gedanken an den eigenen Tod und beschäftigen sich deshalb nicht mit der Frage."

Man kann damit viele Leben retten.

Sabine S. via Facebook: "Ich finde es gut. Man kann damit viele Leben retten. Wer es nicht möchte, kann ja widersprechen."

Man versteht erst die Wichtigkeit, wenn man selbst betroffen ist.

Cedric S. via Facebook: "Ich denke, die Menschen werden erst die Wichtigkeit verstehen, wenn sie selbst mal ein Organ benötigen und nicht genug Spender da sind. Vorher wird es immer Nörgler geben. Jeder, der es nicht möchte, soll einfach widersprechen.

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