Ausweisung? Sri Lanka droht deutschem Botschafter

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Deutsche Presse-Agentur

Die Regierung von Sri Lanka hat dem deutschen Botschafter Jürgen Weerth wegen angeblicher Sympathien für die Tamilenrebellen mit der Ausweisung aus dem südasiatischen Inselstaat gedroht.

Verteidigungs-Staatssekretär Gotabaya Rajapakse sagte der Zeitung „The Island“ (Sonntag), wer die Tamilen-Rebellen der LTTE vor ihrer drohenden Niederlage unterstütze, werde „verjagt“. Manche Botschafter, darunter besonders der deutsche und der Schweizer Botschafter, verhielten sich unverantwortlich. Ausdrücklich warnte der Bruder von Präsident Mahinda Rajapakse außerdem die Nachrichtensender CNN, Al-Dschasira und BBC sowie „einige Nachrichtenagenturen“.

Die Bundesregierung wies die Vorwürfe gegen den deutschen Botschafter zurück. „Mögliche Missverständnisse sollten im Dialog miteinander und nicht durch Drohungen gelöst werden“, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes am Sonntag in Berlin. Weerth war bereits Mitte Januar wegen einer Kondolenzansprache bei der Beerdigung eines ermordeten Journalisten vom Außenministerium in Colombo einbestellt worden. Die Opposition hatte der Regierung vorgeworfen, für die Ermordung des prominenten Journalisten und Regierungskritikers verantwortlich zu sein.

Gotabaya Rajapakse warf dem BBC-Mitarbeiter Chris Morris in dem nachrichtlich aufbereiteten Beitrag in „The Island“ vor, er sei bekannt für seine Unterstützung für die Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE). „Wenn er sich nicht verantwortlich verhält und versucht, Panik zu schaffen, werde ich ihn aus dem Land jagen müssen.“ Mitglieder der Internationalen Gemeinschaft, die Unruhe schüren wollten, würden entsprechend behandelt. Das gelte besonders für den deutschen und den Schweizer Botschafter.

Die jüngste Armee-Offensive hat die LTTE, die einst weite Teile der Insel kontrollierte, auf einen kleinen Streifen Land im Nordosten zurückgedrängt. Dort sind die Rebellen von der Armee eingekesselt. In dem Kampfgebiet sollen sich nach Darstellung von Hilfsorganisationen rund 250 000 schutzlose Zivilisten aufhalten. Die Regierung wirft der LTTE vor, die Zivilisten als Schutzschilde zu missbrauchen. Die Rebellen kritisieren, die Armee beschieße die Gegend wahllos und ohne Rücksicht auf Unbeteiligte.

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