Aufmischen, aufmischen!

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Frau lächelt in die Kamera
Sabine Lennartz (Foto: Roland Rasemann)
SabineLennartz

So zuverlässig wie die Silvesterraketen zündet die CSU am Anfang jedes Jahres ein Feuerwerk an Vorschlägen. Parteichef Markus Söder fordert von Kanzlerin und CDU-Vorsitzender eine Kabinettsumbildung, um seinen Laden aufzumischen und für die nächste Bundestagswahl fit zu machen. Das alles ist keine Spontanidee, sondern gut vorbereitet. Seit Monaten schon reiben sich manche verwundert die Augen: Die CSU kämpft für Väter im Erziehungsurlaub, für Klimaneutralität und mehr Kita-Plätze, für Bienen und Artenschutz. Ihr neuer Spitzenmann Söder wollte der CSU sogar eine Frauenquote verpassen. Auch wenn er das nicht geschafft hat, ist seine Wandlungsfähigkeit doch beeindruckend.

Noch vor eineinhalb Jahren träumte die CSU von einem Kanzler, wie man ihn in Österreich hat, von einer Politik, bei der das eigene Land zuerst kommt. Horst Seehofers Streit mit Angela Merkels CDU wurde damals auf die Spitze getrieben. Von der Ausländermaut bis zur Flüchtlingsfrage präsentierte sich die CSU als die starke rechte Kraft, die ihre Wähler so von der AfD zurückholt. Doch die Rechnung ging nicht auf: Bei der Landtagswahl 2018 verlor die CSU die absolute Mehrheit.

Auch das österreichische Modell ist gescheitert, die Koalition mit den Rechtsaußen geplatzt. Der junge Kanzler Sebastian Kurz wechselte die Lager und regiert jetzt zusammen mit den Grünen. Mit dem erklärten und klugen Willen, in diesem Bündnis das Beste aus beiden Welten umzusetzen. Kurz will für Sicherheit und Kopftuchverbote an Schulen sorgen, die Grünen können mit einem Superministerium für Umwelt und Energie Weichen stellen.

Markus Söder verfolgt das sehr genau. Auch in Deutschland scheinen die Grünen immer mehr der neue Partner der Union zu werden. Vieles spricht dafür, dass sich die Wähler längst auf Schwarz-Grün im Bund einstellen. Markus Söder setzt nicht nur auf diesen Trend, er will ihn maßgeblich mitbestimmen. Mit seinem Aufschlag hat er Annegret Kramp-Karrenbauer und Angela Merkel unter Zugzwang gesetzt.

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