Ralf Güldner (Foto: oh)

Der Atomlobbyist Ralf Güldner bezweifelt, dass die deutschen Kernkraftwerksbetreiber für die Erkundung weiterer Endlager-Standorte aufkommen müssen. Für Gorleben seien 1,6 Milliarden Euro aufgewendet worden. „Für die Übernahme zusätzlicher Kosten alternativer Standorterkundungen vor einer abschließenden Bewertung zur Eignung Gorlebens gibt es nach unserer Rechtsauffassung keine Grundlage“, sagte Güldner, Präsident des Deutschen Atomforums, im Gespräch Rasmus Buchsteiner.

SZ: Herr Güldner, Bund und Länder wollen einen Neuanfang bei der Suche nach einem Atommüll-Endlager. Die Kosten für die Prüfung von Alternativen zum Salzstock in Gorleben sollen die Konzerne tragen. Werden Sie dagegen klagen?

Güldner: Zunächst muss man abwarten, wie das konkrete Gesetz formuliert sein wird, wenn es beschlossen ist. Das weitere Vorgehen wird dann von den einzelnen betroffenen Unternehmen geprüft und selbstständig festgelegt. Zu einer solchen Prüfung können auch Rechtsmittel gehören. Das Deutsches Atomforum hat immer deutlich gemacht, dass die Betreiber von Kernkraftwerken zu ihren Verpflichtungen stehen, den notwendigen Aufwand für die Erkundung, Bereitstellung und den Betrieb eines Endlagers zu tragen. Hierzu wurden für Gorleben bis jetzt schon 1,6 Milliarden Euro aufgewendet. Für die Übernahme zusätzlicher Kosten alternativer Standorterkundungen vor einer abschließenden Bewertung zur Eignung Gorlebens gibt es nach unserer Rechtsauffassung keine Grundlage.

SZ: Halten Sie Gorleben nach wie vor ohne Wenn und Aber für geeignet?

Güldner: Niemand vertritt bisher die Meinung, Gorleben sei ohne wenn und aber geeignet, denn die Standorterkundung ist nicht abgeschlossen und eine abschließende Aussage zur Eignung des Salzstocks Gorleben für die Lagerung wärmeentwickelnder Abfälle liegt noch nicht vor. Gorleben wird seit 30 Jahren mit hohem technischen, wissenschaftlichen und finanziellen Aufwand erkundet. Bisher gibt es keine Erkenntnisse, die dagegen sprechen, dass Gorleben für die Einlagerung der hoch radioaktiven Stoffe geeignet ist. Dies wurde von der rot-grünen Bundesregierung im Zusammenhang mit dem ersten Ausstiegsbeschluss bestätigt. Nach Wiederaufnahme der Erkundung wurden keine Erkenntnisse gewonnen, die dem widersprechen. Deshalb hält es das Deutsche Atomforum für zweckmäßig und geboten, die Erkundung des Standortes abzuschließen und die Frage seiner Eignung zu klären.

SZ: Vorerst wird es keine Castor-Transporte mehr nach Gorleben geben. Der Atommüll soll statt dessen an anderen Kernkraftwerk-Standorten zwischengelagert werden. Eine richtige Entscheidung?

Güldner: Eine Entscheidung gibt es ja noch nicht, aber viele offene Fragen. Zunächst besteht für die Rücknahme der Abfälle aus der Wiederaufarbeitung mit dem Zwischenlager Gorleben und der angeschlossenen technischen Infrastruktur eine bewährte Lösung. Das Transportbehälterlager Gorleben ist das einzige Zwischenlager in Deutschland, das über eine Genehmigung zur Lagerung der verglasten radioaktiven Abfälle aus der Wiederaufarbeitung im Ausland verfügt. In den anderen Standorten von Zwischenlagern ist die Lagerung solcher Abfälle nicht vorgesehen. Ein Genehmigungsverfahren dafür würde eine Öffentlichkeitsbeteiligung erfordern und an den möglicherweise betroffenen Standorten Fragen auslösen. Ein solches Genehmigungsverfahren benötigt auch geraume Zeit, insbesondere wenn die Genehmigung beklagt würde. Nicht zuletzt wäre mit der beabsichtigten Veränderung bei Transport und Zwischenlagerung kein Sicherheitsgewinn zu erzielen.

Zur Person

Ralf Güldner ist ein promovierter Radiochemiker und seit April 2010 Präsident des Deutschen Atomforums. Güldner studierte von 1972 bis 1978 an der Ludwig-Maximilians-Universität München Chemie. Später arbeitete er für verschiedene Energieunternehmen. Seit 2009 ist er Präsident des europäischen Branchenverbandes Foratom.

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