Arabische Welt geht auf Schmusekurs mit Diktator Assad

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 Der syrische Präsident Baschar al-Assad (re.) ist wieder salonfähig geworden. Hier traf er Ende Dezember Falih Alfayyadh, Berat
Der syrische Präsident Baschar al-Assad (re.) ist wieder salonfähig geworden. Hier traf er Ende Dezember Falih Alfayyadh, Berater des irakischen Nationalen Sicherheitsrates. (Foto: dpa)
Michael Wrase
Redakteur

Sechs Jahre lang hatte der saudische Hassprediger Mohammed al-Arifi für den „heiligen Krieg“ gegen „Assad, den Ungläubigen“ geworben. Der auch in der Schweiz und Deutschland agitierende „Doktor des Glaubens“ galt mit über 20 Millionen Follower bei Twitter als Star der internationalen Dschihadistenszene. Auch über arabische Fernsehsender erreichte er ein Millionenpublikum – bis ihm um die Jahreswende von der saudischen Regierung ein Maulkorb verpasst wurde.

Al-Arifi wurde aufgefordert, seinen Twitteraccount zu schließen. Bankkonten mit Spendengeldern für die syrische Opposition ließ die Regierung in Riad einfrieren. Selbst die Fahnen vor ihren Büros mussten die von Saudi-Arabien finanzierten Widerstandsgruppen einholen. Der Kurswechsel kommt für Experten nicht überraschend. Mit einigem Widerwillen habe nun auch Saudi-Arabien akzeptiert, dass Baschar al-Assad den Bürgerkrieg in Syrien zu seinen Gunsten entschieden habe, erklärt Sebastian Sons von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik die neue Marschrichtung Riads. „Um Syrien dem verhassten Iran nicht gänzlich zu überlassen, wird man mit Assad in Zukunft zusammenarbeiten.“

Auslöser USA

Den „entscheidenden Wendepunkt“ markierte nach Einschätzung des Orientalisten Günter Meyer ein Tweet von Donald Trump im Juli 2017. Der US-Präsident hatte darin die Einstellung der CIA-Unterstützung für die militärische Ausrüstung von Assad-Gegnern angekündigt. Das Ende des Waffenschubs habe es syrischen Regierungstruppen ermöglicht, mit russischer und iranischer Hilfe mittlerweile rund zwei Drittel des Landes unter die Kontrolle von Damaskus zu bekommen.

Auch die arabische Welt musste daraufhin einen Strategiewechsel vollziehen, der im September letzten Jahres „mit einer überschwänglichen Begrüßung zwischen dem bahrainischen und dem syrischen Außenminister“ eingeleitet worden sei, betont Meyer, der an der Universität von Mainz das Zentrum für Forschung zur Arabischen Welt leitet. Einen Monat später wurde der wichtige Nassib-Grenzübergang zwischen Syrien und Jordanien wiedereröffnet, ehe am 27. Dezember in Damaskus die Botschaften der Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain die Türen öffneten.

Eine stärkere arabische Rolle in Syrien sei jetzt nötig, um der Türkei und dem Iran Paroli bieten zu können, verteidigte Anwar Gargasch, Staatssekretär im Außenministerium der Emirate, die Wiederannäherung an den langjährigen Erzfeind. Ein stabiles und säkulares Syrien sei das beste Bollwerk gegen den Einfluss der von der Türkei und Katar unterstützten Muslimbruderschaft, die von Damaskus und Abu Dhabi gleichermassen als Terrororganisation eingestuft wird, glaubt ein in den USA lebender Syrien-Experte, der unter dem Decknamen „Ehsani2“ auftritt.

Offizielle Rehabilitation

Selbst die Arabische Liga könnte bei ihrem nächsten Gipfeltreffen in Tunis Ende März den Diktator offiziell rehabilitieren. Dessen Land dürfe nicht länger außerhalb der Liga stehen, verkündete der tunesische Präsidentenberater Lazhar al-Qorawi al-Chabi letzte Woche in Beirut. Dort sollen auf einem panarabischen Wirtschaftsgipfel in der nächsten Woche „weitere Annäherungsschritte“ zwischen Syrien und dem Rest der arabischen Welt vollzogen werden.

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