Anschlag in Münster: Mehr Respekt für die Opfer

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Menschen stehen vor einem der Lokale am Kiepenkerl, kurz nachdem ein Fahrzeug in das Straßencafé gefahren war.
Menschen stehen vor einem der Lokale am Kiepenkerl, kurz nachdem ein Fahrzeug in das Straßencafé gefahren war. (Foto: dpa)
Chefreporter Ulm und Alb-Donau

Schwerstverletzte rangen noch mit dem Tod, Chirurgen kämpften in den Krankenhäusern in Münster bei zahlreichen Notoperationen um das Leben ihrer Patienten, Ermittler standen noch ganz am Anfang ihrer Suche nach den Motiven des Täters – doch AfD-Spitzenpolitikerin Beatrix von Storch meldete sich bereits beim Online-Kurznachrichtendienst Twitter zu Wort: ganz bewusst und ohne Kenntnis des Sachstandes verbreitete sie Andeutungen, dass Flüchtlinge den Anschlag von Münster verübt hätten. Sogar im Angesicht des Todes instrumentalisiert die Populistin der ersten Stunde die Opfer für ihre Zwecke.

Dabei ist von Storch in schlechter Gesellschaft. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan, auch er bar jeder Ahnung über die Abläufe im von Ankara weit entfernten Münster, bezichtigt seinen französischen Kollegen Emmanuel Macron, Terror wie angeblich in Münster zu unterstützen. Zudem verwies er auf kurdische Terroristen. Was beiden gemeinsam ist: Sie wollen einfach nur provozieren.

Man könnte einfach schweigen, aber der Respekt vor den vielen Opfern des Terrors und des Anschlags in Münster gebietet es, vor allem der AfD-Großsprecherin von Storch zuzurufen: Halten Sie doch endlich und dauerhaft Ihren dummen Mund! Halten Sie sich an die Fakten! Überlegen Sie sich, ob Sie den Schmerz der Angehörigen und der Verletzten noch verschlimmern wollen! Ihren Parteifreunden Alice Weidel und Alexander Gauland, die sich als seriöse Politiker im Bundestag etablieren wollen, sei gesagt: Die bewusste Provokation ist durchschaut, sie gehört auf den Schrottplatz ausgedienter politischer Instrumente.

Der Respekt gebietet noch mehr: einen genauen und dauerhaften Blick auf die Arbeit des Staates für die Opfer. Hier hat NRW-Ministerpräsident Armin Laschet am Sonntag großzügige Hilfe angekündigt. An diesen Worten wird er sich messen lassen müssen. Denn während auch noch der letzte dunkle Winkel im Kopf der Amokläufer oder Terroristen ausgeleuchtet wird, geraten die Opfer doch oft in Vergessenheit.

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