Angriff auf das politische System

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Wut
Rechte Demonstranten vor dem Karl-Marx-Monument in Chemnitz. Ob es an diesem Tag zu "Hetzjagden" kam oder nicht, sorgt für große Diskussion. SZ-Redakteur Dirk Grupe bezieht dazu in seinem Kommentar Stellung. (Foto: DPA)

Politiker und Journalisten sollten sich um präzise Sprache bemühen, das versteht sich von selbst. Dass nun im Zusammenhang mit den Vorkommnissen in Chemnitz über „Jagdszenen“ oder „Hetzjagden“ eine Debatte angefeuert wird, ist allerdings beschämend und soll von den Ereignissen ablenken.

 

Nur soviel: Das Wort „Hetzen“ gilt sprachwissenschaftlich als verbunden mit dem Wort „Hassen“. Aus der Jagdsprache kommend hat es längst die Übertragung ins Menschliche gefunden und steht für das Zerstörerische, Widerwärtige, ja Krankhafte im Hetzen. Insofern liegt Bundeskanzlerin Angela Merkel völlig richtig, die von „Hetzjagden“ in Chemnitz sprach, von „Hass“ und „Verfolgung unschuldiger Menschen“. Diese Einschätzung wird durch seriöse Zeugenaussagen belegt. Und sie wird durch zumeist wackelige Handyaufnahmen dokumentiert, nach deren Ansicht geschulte Leute keine Anzeichen für Fälschungen finden konnten.

Wie man die Vorgänge nennt, wird so zur Nebensache. Es stellt sich aber die Frage, weshalb sich nach Sachsens CDU-Ministerpräsident Kretschmer auch Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen gegen die Fakten und gegen die Kanzlerin stellt. Weshalb er dies in der „Bild“-Zeitung tut und nicht in politischen Gremien? Weshalb er von „Fake“ faselt, aber nicht sagt, was genau er meint, geschweige denn Beweise vorlegt? Weshalb Maaßen, dem eine AfD-Nähe nachgesagt wird, bei der Chemnitz-Tat von „Mord“ spricht, obwohl dies hierzulande nur ein Richter feststellen kann? Er würde vielleicht antworten: „Weil ich es kann.“ Weil sein Dienstherr Horst Seehofer heißt. Der ihm in seinem eigenen Überlebenskampf und dem seiner Partei den Rücken stärkt.

Das Bodenlose an den Äußerungen dieser und anderer Personen ist, dass sie bewusst alles, was nicht in ihre Agenda passt, in Zweifel ziehen, als unwahr brandmarken – und somit das gesamte politische System aushöhlen wollen. Allerdings: Die oberste Dienstherrin des Verfassungsschutzpräsidenten und auch des Innenminsters heißt Angela Merkel. Sie sollte, sie muss handeln: jetzt.

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