Angeblich Waffenruhe im pakistanischen Swat-Tal

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Deutsche Presse-Agentur

Eine Woche nach der angekündigten Einführung von Scharia-Gerichten im umkämpften Swat-Tal hat die pakistanische Regierung nach eigenen Angaben mit den radikal-islamische Taliban eine ständige Waffenruhe vereinbart.

Wie die Zeitung „The Dawn“ am Sonntag unter Berufung auf den Verwaltungschef der Region Malakand, zu der das Swat-Tal gehört, berichtete, wurde das Abkommen am Vortag geschlossen. „Heute (Samstag) verkünden wir eine ständige Waffenruhe, der auch die Taliban zugestimmt haben“, zitierte das Blatt den ranghohen Regierungsbeamten. Die Taliban wiesen dies jedoch zurück. In der benachbarten Stammesregion Bajaur wurden indes mindestens 25 Extremisten bei Gefechten mit Regierungstruppen getötet.

Die Regierung der Nordwest-Grenzprovinz und die von dem radikalen Prediger Maulana Fazlullah geführten Extremisten hatten bereits vergangenen Montag ein international scharf kritisiertes Abkommen über die Einführung der islamischen Rechtsprechung (Scharia) im Swat-Tal unterzeichnet. Im Zuge der Verhandlungen hatten die Taliban als „Geste des guten Willens“ einen einseitigen, zehntägigen Waffenstillstand verkündet, der an diesem Mittwoch endet.

„Wir haben die Ankündigung einer ständigen Waffenruhe durch die Regierung zur Kenntnis genommen“, erklärte Taliban-Führer Fazlullah am Samstag über einen von ihm betriebenen illegalen Radiosender. Da die Extremisten jedoch bereits eine zehntägige Waffenruhe verkündet hätten, könne über eine Verlängerung erst nach deren Auslaufen an diesem Mittwoch entschieden werden. Fazlullah kämpft seit Ende 2007 für die Einführung der Scharia im Swat-Tal, das nur 160 Kilometer entfernt von der Hauptstadt Islamabad liegt. Bei den heftigen Gefechten starben in der vergangenen Monaten hunderte Menschen.

Wie die Armee am Samstag mitteilte, griffen Soldaten in Bajaur mehrere Stellungen der Aufständischen an. Dabei seien auch Artillerie und Kampfhubschrauber eingesetzt worden, hieß es. In der südlich von Bajaur gelegenen Khyber-Stammesregion wurden bei einem neuen Bombenanschlag auf einen Nachschublastwagen für die internationalen Truppen in Afghanistan ein Mensch getötet und zwei weitere verletzt. Nach Polizeiangaben wurde das Fahrzeug zerstört, als am Straßenrand ein ferngezündeter Sprengsatz explodierte.

Die Behörden machten radikal-islamische Extremisten für den Angriff verantwortlich, die in der Region immer wieder Anschläge gegen Lastwagen verüben. Die Route über den Khyber-Pass ist die wichtigste Nachschubverbindung für die Internationale Schutztruppe ISAF und die US-geführte Koalition in Afghanistan. Im Dezember waren bei Angriffen mehr als 300 Fahrzeuge mit Nachschublieferungen zerstört worden. Die pakistanischen Stammesgebiete an der Grenze zu Afghanistan gelten zudem als Hochburg der Extremisten und Rückzugsraum für im Nachbarland aktive Taliban-Kämpfer und El-Kaida- Terroristen.

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