Andreas Bovenschulte: Dieser Mann soll das erste rot-grün-rote Bündnis im Westen leiten

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 Andreas Bovenschulte (SPD) dürfte neuer Bürgermeister in Bremen werden.
Andreas Bovenschulte (SPD) dürfte neuer Bürgermeister in Bremen werden. (Foto: dpa)
Eckhard Stengel

Er spekuliert schon seit Jahren auf dieses Amt – und dürfte jetzt tatsächlich Erfolg haben: Der 53-jährige Sozialdemokrat Andreas Bovenschulte wird voraussichtlich neuer Bürgermeister von Bremen. Der SPD-Landesvorstand wollte ihn am Montagabend als Nachfolger von Carsten Sieling nominieren, jenem glücklosen Regierungschef, der fünf Wochen nach den SPD-Verlusten bei der Bremer Bürgerschaftswahl am Montagmittag seinen Rückzug angekündigt hat.

Eigentlich ist Bovenschulte schon Bürgermeister – aber nicht an seinem Wohnort Bremen, sondern in der kleinen Nachbargemeinde Weyhe. Dort hatte er sich 2014 an die Verwaltungsspitze wählen lassen, nachdem seine Hoffnungen gescheitert waren, Nachfolger des damaligen Bremer Bürgermeisters Jens Böhrnsen (SPD) zu werden.

Nun also wird er wohl den Böhrnsen-Nachfolger Sieling beerben. Der hinterlässt ihm einen Koalitionsvertrag, den er in den vergangenen Tagen mit Grünen und Linken ausgehandelt hat. Die drei Parteien wollen Mitte August eine rot-grün-rote Landesregierung bilden – die erste dieser Art in Westdeutschland.

Der Zwei-Meter-Mann Bovenschulte ist mit Sieling befreundet und wie er ein linker Sozialdemokrat. Aber er hat mehr Ausstrahlungskraft, wirkt kämpferischer und redegewandter als der eher blasse, schmächtige Noch-Amtsinhaber.

Der rote Riese stammt aus einem sozialdemokratisch geprägten Elternhaus aus Elze bei Hannover und ist bereits mit 19 selber Genosse geworden. Viele Jahre wirkte er eher im Verborgenen. In die Öffentlichkeit trat er erst 2010, als er sich zum Bremer SPD-Chef wählen ließ. Aus jener Zeit sind Zitate von ihm überliefert, in denen er eine „eiskalte Marktgesellschaft“ kritisierte und einen „magersüchtigen Staat“ verhindern wollte. Deshalb seine Forderung nach einer höheren Besteuerung von Reichen. Er war schon immer ein Kritiker von Hartz IV und forderte die Rücknahme der Rente mit 67.

Gut drei Jahre lang blieb der Jurist Landesparteichef. 2013 gab er das Amt ab, weil er sich auf seine Kandidatur als Bürgermeister von Weyhe konzentrieren wollte. Seine Bewerbung dort wurde auch von CDU und Grünen unterstützt – und hatte 2014 Erfolg. Doch nach fünf Jahren zog es ihn wieder in den Stadtstaat zurück: Bovenschulte kandidierte erstmals für die Bürgerschaft, und als er tatsächlich gewählt wurde, verdrängte er sofort den langjährigen SPD-Fraktionschef Björn Tschöpe.

In Weyhe ließ sich der verheiratete Vater zweier Töchter beurlauben. Eigentlich wäre er gerne komplett aus dem Amt geschieden, aber da spielte die CDU nicht mit: Sie wollte ihn nicht endgültig ziehen lassen, weil er ein sehr engagierter Fachmann mit hohem Verantwortungsbewusstsein sei. Solche Eigenschaften kann er jetzt auch in Bremen gut gebrauchen.

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