Analyse liefert Indizien auf Echtheit

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Politikredakteur/Assistent der Chefredaktion

Das Video, das den vermeintlichen Angriff durch Rechte auf Menschen mit Migrationshintergrund zeigt, ist in Chemnitz entstanden. Das zeigt eine Analyse der „Schwäbischen Zeitung“. Der kurze Ausschnitt, auf den sich mutmaßlich auch Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen bezieht, wurde vom Twitter-Nutzer „Antifa Zeckenbiss“ hochgeladen. Er zeigt vermutlich einen Angriff im Anschluss an die Demonstrationen Ende August.

Jede Datei ist mit einem digitalen Zeitstempel versehen. Gespeichert ist dieser im sogenannten Quelltext einer Seite im Unix-Format. Im Netz gibt es Umrechner, die diese Zahlenreihe in ein konkretes Datum und eine konkrete Uhrzeit umwandelt. Fügt man den Unix-Zeitstempel aus dem Quelltext des Videos in einen dieser Umrechner ein, zeigt sich das Datum Sonntag, 26. August 2018, 18:56:51 – allerdings in der Greenwich Mean Time, die zwei Stunden zurückliegt. Damit fällt zumindest der Zeitpunkt des Uploads in die Chronologie der Ereignisse in Chemnitz. Am 26. August sind erstmals Demonstranten durch die Stadt gezogen. Im Anschluss daran soll es zu Übergriffen auf ausländisch aussehende Menschen gekommen sein.

Aber: Diese Uhrzeit zeigt lediglich den genauen Zeitpunkt des Hochladens. Ob das Video auch zu dieser Zeit entstanden ist, lässt sich schwer verifizieren. Ein Rückblick über die Sonnenposition für diesen Tag zeigt, dass es zu dieser Zeit bereits dunkel war. Entstanden muss es demnach früher am Tag sein.

Ein weiteres Indiz bringt der Blick in historische Wetterangaben. Verschiedene Seiten im Internet speichern Daten zu Temperatur, Bewölkung und Witterungsverhältnisse. Der Rückblick auf das Wetter vom 26. August stimmt jedenfalls mit dem Video überein – es war teilweise bewölkt. Um den Ort der Aufnahme zu lokalisieren, bedarf es etwas Detektivarbeit. Details können dabei Aufschluss geben. Im Falle des Videos sind vor allem zwei Einzelheiten interessant. Zum einen hält im Hintergrund ein blauer Bus mit gelbem Dach – die Busse der Chemnitzer Verkehrs-AG sind in eben diesen Farben lackiert.

Dahinter zeigt sich zum anderen eine Kirchturmspitze. Eine Suche im Internet nach Kirchen in Chemnitz zeigt, dass die Johanniskirche große Ähnlichkeit hat mit jener im Video.

Auch befindet sie sich in unmittelbarer Nähe einer großen Straße – die im Video zu sehen ist. Vergleicht man weitere Details des Videos wie Straßenschilder, den großen Parkplatz im Hintergrund, oder Werbetafeln, mit Satellitenaufnahmen im Internet, ergibt sich ein ungefähres Lagebild des Videos. Wahrscheinlich ist es demnach an der Chemnitzer Bahnhofstraße in Richtung Innenstadt entstanden.

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