Am Anfang schon im Endspurt

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Wie oft wurde sie schon beschworen, die Merkel-Dämmerung, der Anfang vom Ende der Karriere. Wie oft schon die Frage gestellt, ob die Kanzlerin es nicht bereut hat, noch einmal angetreten zu sein. Tatsächlich hat Angela Merkel in ihrer vierten und voraussichtlich letzten Amtsperiode bislang wenig Erfolge vorzuweisen.

Merkel denke die Sachen vom Ende her, heißt es. Eventuell wollte sie genau deshalb weitermachen. Um doch noch eine gemeinsame Haltung Europas in der Flüchtlingsfrage zu erkämpfen. Doch manche werfen ihr vor, gerade sie habe Europa tiefer denn je gespalten.

Merkels Ansehen ist international gesunken. Vor zwei Jahren noch als letzte Verteidigerin der freien Welt gefeiert, wirkt sie jetzt wie eine Ermattete, die aus ihrer Partei und deren Schwester nicht mehr genügend Unterstützung erhält.

Merkels Regierungsstil war immer das Abwarten, auch das Aussitzen; ihre Gegner beanstanden das. Ihre Anhänger schätzen dagegen ihre Ruhe und Besonnenheit, und das umso mehr, als sie von Putin, Erdogan und Trump umgeben ist und im Inland von Horst Seehofer.

Eines aber nehmen Freund und Feind übel: ihre Sprachlosigkeit. Selten bezieht sie klar Stellung. Als CDU-Chefin muss sie sagen, ob sie die Dienstpflicht will, und wenn ja, warum. Als Kanzlerin muss sie darüber reden, wie sie Zuwanderung begrenzen möchte und die dringend notwendige Integration stärken will. Zwar genießt sie nach wie vor Vertrauen in großen Teilen der Bevölkerung, weil sie fleißig arbeitet und uneitel ist. Doch in das Vertrauen mischt sich bei vielen schon etwas Mitleid: Muss sie sich das noch antun? Sie muss. Um vielleicht ein letztes Mal zu zeigen, dass sie doch etwas bewirken kann.

Leicht werden die nächsten Monate nicht. Die bayerische Landtagswahl wird wohl eine weitere Zäsur für die Union werden. Gut möglich, dass danach die Karten neu gemischt werden. In der CSU ohnehin, aber vielleicht auch in der CDU. Denn ein Riss zwischen den beiden Schwestern, das hat Merkel selbst oft gesagt, geht immer quer durch die ganze Union.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) (Foto: dpa)
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