Als Antwort auf Rezo: CSU startet Social-Media-Show - die Kritik fällt vernichtend aus

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Schwäbische Zeitung
Agence France-Presse
Deutsche Presse-Agentur

Die CSU-Landesgruppe im Bundestag wirbt ab sofort mit einer eigenen Social-Media-Show namens CSYou für ihre Politik. Die erste Folge ging am Wochenende auf Facebook, Twitter und Instagram online, Nutzer reagierten mit scharfer Kritik.

Die CSU-Landesgruppe bewarb ihr neues Format auf Twitter: „Die Antwort auf @rezomusik heißt Armin“. Der Youtuber Rezo hatte im Mai vor der Europawahl mit einem CDU-kritischen Video viel Aufsehen erregt.

„Aufreger der Woche“ ist bei CSYou die Fahrt der jungen Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg nach New York an Bord einer „Millionen-Yacht“. Der Armin empört sich darüber, dass der Segeltörn wegen der nötigen Logistik unter dem Strich keineswegs klimaneutral war. Auch die Grünen-Bundestagsabgeordneten bekommen wegen ihrer Einzelflugreisen und daher schlechten Klimabilanz ihr Fett weg.

In „Klartext“ kritisiert Armin die Unteilbar-Demonstration in Dresden am vergangenen Wochenende, weil Deutschlandflaggen dort unerwünscht gewesen seien. Stattdessen habe es „Antifa- und DDR-Symbole“ gegeben: „Krasser Fail“ laut Armin.

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In der Rubrik „Thema der Woche“ präsentiert Armin vor einer Betonwand mit Berlin-Silhouette und dem Schriftzug „#csu liefert“ aber auch Positives: Die große Koalition sei „besser als ihr Ruf“ und habe laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung schon einen Großteil ihrer Versprechen aus dem Koalitionsvertrag teilweise oder ganz umgesetzt. Allen „Politiknörglern da draußen“ empfiehlt Armin daher, doch bei CSYou reinzuschauen.

Die Videos werden intern in der Landesgruppe produziert. Erscheinen soll die Show alle zwei Wochen. Nach ersten Reaktionen zum Auftakt am Samstag erklärte Petschner auf Twitter: „Also ich bin zufrieden.“

Im Netz gab es für das Video neben Lob größtenteils hämische Kommentare. Der Grünen-Fraktionsvize Konstantin von Notz schrieb auf Twitter, das Video sage leider sehr viel über die CSU aus. „Während des Videos einfach kurz die Augen schließen und an die reale Politik von Horst Seehofer und Andy Scheuer denken“, riet von Notz mit Hinweis auf die beiden CSU-Bundesminister.

Auf Facebook meldete sich Martin Sonneborn, der im Mai für die Partei "Die Partei" erneut ins Europa-Parlament eingezogen ist, zu Wort. Der für seine satirischen Beiträge in den sozialen Netzwerken bekannte Politiker kommentierte das Video auf der Seite der CSU mit den Worten: "Dieses Video ist nicht von uns."

Bis Montagmorgen sammelte der Youtube-Beitrag mit über 300.000 Aufrufe größtenteils negative Bewertungen. 61.000 Nutzer gaben einen Daumen runter — nur 1900 Nutzer einen Daumen hoch. Mithilfe dieses Tools können User auf Youtube ihre Meinung zu den Inhalten ausdrücken. 

Daneben ist auf der Video-Plattform das Kommentieren von Videos ebenfalls möglich. Allerdings kritisierten zahlreiche Nutzer, die CSU habe ihre Kommentare gelöscht. Die CSU-Landesgruppe äußerte sich auf dpa-Anfrage zunächst nicht zu diesem Vorwurf. In den sozialen Netzwerken posteten gleich mehrere der betroffenen User Screenshots, die das Löschen von Kommentaren belegen sollen.

Auch Youtuber Rezo meldete sich am Sonntag zu Wort. Er twitterte: „(…) der häufige Vorwurf, dass das Video polemisch ist, Scheinargumente präsentiert, Wahrheiten bewusst verkürzt, verzerrt und sogar teils die Bevölkerung desinformiert, ist auch gut belegt.“

Im Frühjahr hatte Rezos Video „Die Zerstörung der CDU“ im Vorfeld der Europawahl für Schlagzeilen gesorgt. Der Youtuber rief dazu auf, insbesondere wegen der Klimapolitik weder die Union, noch die SPD oder die AfD zu wählen. Das Video wurde millionenfach aufgerufen.

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