Afrikanische Schweinepest: Vorsicht ist nachvollziehbar, trifft die Branche aber hart

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Schweinehalter in Sorge
Das Eindringen der Afrikanischen Schweinepest nach Deutschland macht den Schweinehaltern wirtschaftlich große Sorge. (Foto: Mohssen Assanimoghaddam / DPA)

Wie zerbrechlich Lieferketten und Exportgeschäfte sind, hat die Corona-Krise den Verbrauchern gerade erst nachdrücklich gezeigt. Die Afrikanische Schweinepest bewirkt nun im Kleinen noch einmal dasselbe. Die größten asiatischen und südamerikanischen Abnehmer deutscher Schweineexporte schließen ihre Grenzen für diese Einfuhren. Den hiesigen Schweinehaltern droht die nächste Krise, nachdem die unsäglichen Zustände in Schlachtfabriken die Branche zuvor schon mächtig in Verruf gebracht haben.

Ein einziges totes Wildschwein ist nun der Auslöser. Doch die Erfahrung mit der Verbreitung der Tierkrankheit lässt vermuten, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis das Virus auch in andere Regionen vordringt. So ist die Vorsicht anderer Staaten verständlich, auch wenn der Exportstopp völlig überzogen erscheint. Mit beiderseitiger Vernunft sollte es trotzdem möglich sein, aus dem kompletten Einfuhrverbot ein gestaffeltes zu gestalten. Von der Schweinepest nicht betroffene Regionen Deutschlands können, wie es in der Europäischen Union üblich ist, von derartigen Restriktionen ausgenommen werden.

Für die betroffenen Betriebe ist die aktuelle Entwicklung ein harter Schlag. Allein schon die Ankündigung Chinas ließ die Erzeugerpreise stark sinken. Die großen Mastbetriebe werden es verkraften. Deren Haltungsmethoden sind ohnehin zweifelhaft. Auf die kleineren bäuerlichen Betriebe schlägt ein Preisverfall dagegen voll durch.

Es ist auch nicht einmal gesagt, dass die Verbraucher am Ende der Kette von den Problemen der Erzeuger durch sinkende Preise profitieren. Ein Teil der ohnehin günstigen Preise für Schnitzel und Wurst geht auf das Konsumverhalten in Asien zurück. Dort sind Fleischteile begehrt – etwa die Füße oder Ohren der Tiere –, die hierzulande niemand auf dem Teller haben mag. Wenn diese Einnahmen wegfallen, müssen die hier beliebten Stücke womöglich teurer vermarktet werden, um den Verlust auszugleichen.

Am Ende verlieren alle etwas.

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