AfD: Protestpartei mit Rechtsdrall

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Bernd Lucke, der Spitzenkandidat der Partei "Alternative für Deutschland". (Foto: dpa)
Schwäbische Zeitung
Steffen Range
Redakteur

Die eurofeindliche Alternative für Deutschland hat den Einzug in den Bundestag nur knapp verpasst: 4,7 Prozent der Stimmen sind ein achtbarer Erfolg für eine Partei, die erst seit April existiert. Die Bundestagswahl hat gezeigt, dass sich viele Wähler offenbar nach einer Gruppierung sehnen, die Europa mit Skepsis statt Sympathie begegnet. Diese Rolle hat die AfD für sich reklamiert – und ihr ist fast die Sensation gelungen.

Ihre zweite Chance bekommt die AfD schon im Mai2014 bei der Europawahl. Traditionell nutzen viele Wähler die Abstimmung zum Europäischen Parlament, um ihrer Regierung einen Denkzettel zu erteilen. Deshalb schwört Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) seine Union schon jetzt darauf ein, die AfD hart anzugehen. Leicht wird das nicht, denn in Brüssel kommen bald unpopuläre Wahrheiten zur Sprache: neue Rettungspakete für die verschuldeten Staaten Südeuropas, die auch Deutschland belasten dürften. Oder die ungeliebte Bankenunion, die die deutschen Geldhäuser teilweise ihrer Souveränität berauben könnte. Die AfD muss gar nicht viel tun: außer auf ihren europafeindlichen Thesen herumzureiten.

Populistische Professoren

Die AfD inszeniert sich selbst gerne als Professorenvereinigung, die über den Niederungen der parlamentarischen Quasselbuden steht. Tatsächlich aber ist sie in erster Linie eine Protestpartei gegen Brüssel und den Euro. Besonderen Reiz übt die AfD auf ältere Männer aus, die den Euro schon immer abgelehnt haben. Sie kommt auch gut an bei frustrierten Verlierern im Osten. Und sie begeistert brave Bürger, die um ihr Erspartes fürchten. Auffällig viele ihrer Spitzenleute rekrutieren sich aus der Riege der Ökonomen, Finanzfachleute und Steuerberater. Diese Gruppe stand einst der FDP nah.

Wenn die Strategen der AfD klug handeln, so hat die Partei beste Chancen, sich der Konkursmasse der FDP zu bemächtigen – und als national-liberale Partei ihr Erbe anzutreten. Allerdings nur, wenn sie abtrünnige Wähler der NPD unmissverständlich zurückweist. Viele AfD-Spitzenleute wie der angesehene Volkswirt Joachim Starbatty sind über jeden Verdacht erhaben, mit Rechtsradikalen zu paktieren. Ihnen geht es darum, den Euro zu sprengen und den Nationalstaat zu stärken.

Bei AfD-Chef Bernd Lucke dagegen kann man nicht sicher sein, wohin er seine Partei führen will. Er liebäugelt damit, geläuterte NPD-Mitglieder aufzunehmen. Er fabuliert von „Entartungen von Demokratie und Parlamentarismus“ und bedient sich damit – ob unbewusst oder kalkuliert – eines hässlichen Begriffes der Nazi-Sprache. Er bezeichnet Zuwanderer ohne Deutschkenntnisse und Ausbildung als „Bodensatz“. Womöglich schwebt Lucke eine Ausrichtung der AfD nach Vorbild der österreichischen FPÖ vor. Die fing auch mal als national-liberale Partei an und driftete dann nach rechts. Heute ist sie erfolgreich, doch von Fremdenhass und Engstirnigkeit übermannt.

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