Überblick: Islamistische Anschläge in Europa seit dem 11. September 2001

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Schwäbische Zeitung
Simon Haas
Redakteur
Digitalredakteur

Seit dem 11. September 2001 hat es eine Reihe weiterer verheerender Terroranschläge gegeben. Ein Überblick über alle islamistisch motivierten Angriffe mit hohen Opferzahlen auf europäischem Territorium von EU- und Nato-Mitgliedsstaaten.

  • 24. Mai 2017: Salman Abedi, ein Brite libyscher Abstammung, tötet nach einem Konzert in Manchester 22 Menschen mit einer Bombe. Mehr als 100 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt.
  • 7. April 2017: Auf einer Einkaufsstraße in Stockholm rast ein Lastwagen in eine Menschenmenge und anschließend in ein Kaufhaus: Fünf Menschen werden getötet, viele weitere verletzt.
  • 31. Dezember 2016: In der Silvesternacht dringt ein bewaffneter Angreifer in einen der berühmtesten Clubs Istanbuls ("Reina") ein, schießt um sich und richtet ein Blutbad unter den Feiernden an. 39 Menschen sterben, darunter 15 Ausländer. Die Terrormiliz IS reklamiert den Anschlag für sich.
  • 19. Dezember 2016: Der tunesische Islamist Anis Amri steuert einen Lastwagen auf einen Berliner Weihnachtsmarkt und tötet zwölf Menschen. Wenige Tage später wird er während einer Routine-Ausweiskontrolle vor dem Bahnhof von Sesto San Giovanni nahe Mailand von einem Polizisten erschossen. 
  • 14. Juli 2016: Am französischen Nationalfeiertag rast in der Hafenstadt Nizza ein islamistischer Attentäter mit einem Lastwagen in eine Menschenmenge. Mindestens 84 Menschen werden getötet, mehr als 200 verletzt.
  • 28. Juni 2016: Am internationalen Terminal des Atatürk-Flughafens in Istanbul sprengen sich drei Selbstmordattentäter in die Luft. Sie reißen 45 Menschen mit in den Tod, rund 240 Menschen werden verletzt. Die türkische Regierung macht den IS verantwortlich.
  • 12. Januar 2016: Ein islamistischer Attentäter reißt bei einem Selbstmordanschlag im Istanbuler Altstadtviertel Sultanahmet zwölf deutsche Urlauber mit in den Tod.
  • 22. März 2016: Mit mehreren Bomben töten islamistische Attentäter in der belgischen Hauptstadt Brüssel am Flughafen und in einer Metrostation 32 Menschen.
  • 13. November 2015: Extremisten mit Verbindungen zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS) greifen die Konzerthalle "Bataclan" und andere Ziele in Paris an. 130 Menschen sterben.
  • 7. bis 9. Januar 2015: Drei islamistische Extremisten erschießen bei einer mehrere Tage dauernden Terrorwelle in Paris 17 Menschen, darunter Redaktionsmitglieder der Satire-Zeitschrift "Charlie Hebdo". Spezialeinheiten töten die Attentäter.
  • 7. Juli 2005: In London zünden vier britische Muslime in drei U-Bahnen und einem Doppeldeckerbus Sprengsätze. Die Bilanz: 56 Tote und 700 Verletzte. Es ist der erste Selbstmordanschlag in Westeuropa.
  • 11. März 2004: In vier Nahverkehrszügen in Madrid explodieren mitten im Berufsverkehr zehn von Islamisten platzierte Bomben. 191 Menschen sterben.

Islamistische Anschläge und Anschlagsversuche in Deutschland

  • April 2002: Mitglieder der mit Al Qaida liierten Terrorgruppe Al Tawhid wurden verhaftet. Die Männer wollten mit Handgranaten und Schusswaffen das Jüdische Museum in Berlin und zwei von Juden besuchte Lokale in Düsseldorf angreifen.
  • September 2002: Die Polizei verhaftete einen 25 Jahre alten Türken und seine 23-jährigen Verlobte, eine Amerikanerin türkischer Abstammung. In der Wohnung des Paars wurden mehrere Sprengsätze sichergestellt. Nach damaligen Angaben des baden-würtembergischen Innenministeriums plante das Paar vermutlich Anschläge auf US-Militäreinrichtungen und die Heidelberger Innenstadt.
  • März 2003: Polizei und Nachrichtendienste verhinderten Anschläge, die der Tunesier Ihsan G. in Berlin gegen amerikanische und jüdische Einrichtungen geplant hatte, als Reaktion auf den beginnenden Einmarsch der US-Armee und ihrer Verbündeten im Irak. 
  • Dezember 2004: Ebenfalls in Berlin wollten Islamisten der kurdisch-irakischen Terrorvereinigung Ansar als Islam den damaligen irakischen Ministerpräsidenten Ijad Allawi bei einem Staatsbesuch in Deutschland ermorden. Die Polizei griff gerade noch rechtzeitig zu.
  • Juli 2006: Zwei junge Libanesen deponierten auf dem Kölner Hauptbahnhof zwei Trolleys mit präparierten Gasflaschen in je einem Regionalzug. Die fuhren los, doch die Sprengsätze explodierten nicht, weil die Zündung falsch konstruiert war. Andernfalls wären die beiden Züge von Feuerbällen erfasst worden.
  • November 2006: Deutschen Sicherheitsbehörden gelang es, einen versuchten Anschlag islamistischer Terroristen auf ein israelisches Verkehrsflugzeug zu verhindern. Ein Bombenkoffer sollte in eine in Frankfurt am Main startende Maschine der Fluggesellschaft El Al geschmuggelt werden.
  • September 2007: Vier Mitglieder der sogenannten Sauerland-Gruppe werden verhaftet. Fritz Gelowicz, Daniel Schneider, Adem Yilmaz und Attila Selek gelten als deutscher Ableger der „Islamic Jihad Union (IJU)“, einer mit Al Qaida verbündeten usbekischen Terrororganisation. Auch sie wollten mit Wasserstoffperoxid Bomben bauen, wurden aber vorher verhaftet. 2010 endete der Prozess gegen die Gruppe mit langen Haftstrafen.
  • September 2010: Nach Berichten von Sky und des Wall Street Journal wurde ein Plan islamistischer Terroristen vereitelt, gleichzeitig Anschläge in London, Frankreich und Deutschland durchzuführen. Dabei war ein Vorgehen ähnlich wie im indischen Mumbai 2008 geplant, als die Angreifer unter anderem zwei Luxushotels angriffen.
  • März 2011: Der Kosovare Arid Uka erschoss am Frankfurter Flughafen zwei US-Soldaten und verletzte zwei weitere schwer.
  • April 2011: Nach sechs Monaten Observierung nimmt die Polizei am 29. April in Düsseldorf und Bochum drei mutmaßliche Al-Qaida-Mitglieder fest, die seit Dezember 2010 einen Sprengstoffanschlag in Deutschland vorbereitet haben sollen. Es handelt es sich um einen Marokkaner, einen Deutsch-Marokkaner und einen Deutsch-Iraner. 
  • Dezember 2012: Der Konvertit Marco G. legte auf dem Hauptbahnhof der Stadt Bonn eine Sporttasche ab, in der ein Sprengsatz steckte. Die Bombe explodierte nicht, ahnungslose Schüler hatten gegen die Tasche getreten. Polizei und Nachrichtendienste kamen dem mutmaßlichen Bombenbauer erst auf die Spur, als Marco G. gemeinsam mit drei weiteren Salafisten offenbar noch ein Verbrechen vorbereitete, die Ermordung des Chefs der islamfeindlichen Partei Pro NRW.
  • März 2013: Die Polizei fasst vier Verdächtige aus der Bonner Islamisten-Szene, die einen Anschlagauf den Chef der rechtsextremen Splitterpartei „Pro NRW“ geplant haben sollen. Marco G. soll die Bombe in Bonn deponiert haben.
  • April 2015: Die hessische Polizei nimmt in Oberursel ein Ehepaar mit mutmaßlich salafistischem Hintergrund fest, das einen Anschlag geplant haben soll. Ziel war möglicherweise ein am 1. Mai geplantes Radrennen, das aus Sicherheitsgründen abgesagt wurde. Im Keller des Ehepaars, das türkische Wurzeln hat, fanden Ermittler eine funktionsfähige Rohrbombe, 100 Schuss scharfe Munition, Teile eines Sturmgewehrs G3 und eine Übungsgranate für eine Panzerfaust.
  • Februar 2016: Die Polizei kommt einer mutmaßlichen Terrorzelle auf die Schliche und schlägt zeitgleich in Berlin, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen zu. Die vier verdächtigen Algerier sollen einen Anschlag in Berlin geplant haben. Der sei jedoch im Frühstadium durchkreuzt worden, heißt es.
  • Februar 2016: Bei einer Kontrolle am Hauptbahnhof Hannover verletzt eine 15 Jahre alte Deutsch-Marokkanerin einen Bundespolizisten lebensgefährlich mit einem Messer. Laut Bundesanwaltschaft war die Attacke eine „Märtyreroperation“ für den IS. Seit Oktober muss sich das Mädchen vor dem Oberlandesgericht in Celle für die Tat verantworten.
  • April 2016: Nach einer indischen Hochzeit verüben zwei junge mutmaßliche Salafisten aus Gelsenkirchen einen Bombenanschlag auf ein Gebetshaus der Sikhs in Essen. Drei Menschen werden verletzt. Der Prozess gegen die beiden Verdächtigen und einen Komplizen begann im Dezember in Essen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen unter anderem versuchten Mord vor.
  • Juni 2016: Deutsche Sicherheitsbehörden haben erstmals eine mutmaßliche Schläferzelle der Terrormiliz "Islamischer Staat" ausgehoben. Die vier Syrer planten schwere Anschläge an mehreren Orten in Düsseldorf. Die Polizei nahm im brandenburgischen Bliesdorf, in Mülheim/Ruhr und in Leimen (Baden-Württemberg) drei Männer fest, der vierte Terrorverdächtige sitzt seit Februar in Paris in Untersuchungshaft.
  • Juli 2016: Ein 17-Jähriger geht - mit Axt und Messer bewaffnet - in einer Regionalbahn bei Würzburg auf Fahrgäste los. Fünf Menschen werden verletzt. Polizisten erschießen den Attentäter, der sich in einem Video als Kämpfer des IS bezeichnete. Er kam als Flüchtling nach Deutschland und gab sich als Afghane aus.
  • Juli 2016: Im bayerischen Ansbach sprengt sich ein 27-Jähriger auf einem Platz vor einem Musikfestival in die Luft, 15 Menschen werden verletzt. Der syrische Flüchtling stand nach einer mehrfach verlängerten Duldung kurz vor einer Abschiebung nach Bulgarien. Er war wiederholt in psychiatrischer Behandlung. Der IS beansprucht den Anschlag für sich.
  • September 2016: In Schleswig-Holstein nehmen Sicherheitskräfte drei Syrer wegen Terrorverdachts fest. Die Bundesanwaltschaft wirft den Männern im Alter zwischen 17, 18 und 26 Jahren vor, im Auftrag des IS nach Deutschland gekommen zu sein, „um entweder einen bereits erhaltenen Auftrag auszuführen oder sich für weitere Instruktionen bereitzuhalten“. Konkrete Aufträge gab es nach bisherigen Ermittlungen nicht, das Trio sitzt in Untersuchungshaft.
  • Oktober 2016: Der Syrer Dschaber al-Bakr wird in Sachsen festgenommen. Er soll einen Anschlag auf einen Berliner Flughafen geplant haben. Der 22-Jährige erhängt sich in seiner Zelle.
  • Oktober 2016: Die Bundesanwaltschaft erhebt Anklage gegen einen seit März in Untersuchungshaft sitzenden 19-jährigen Syrer. Er soll Anschlagsziele für den IS in Berlin ausgekundschaftet haben.
  • November/Dezember 2016: Ein Zwölfjähriger steht im Verdacht, einen Anschlagsversuch auf einen Weihnachtsmarkt in Ludwigshafen verübt zu haben. Der Junge hatte möglicherweise Kontakt zu radikalen Islamisten. Er soll laut Magazin „Focus“ zunächst am 26. November versucht haben, ein mit Sprengpulver gefülltes Konservenglas auf dem Weihnachtsmarkt zu zünden. Am 5. Dezember soll er es dann in einer Tasche in einem Gebüsch nahe dem Rathaus deponiert haben, wo es entdeckt wurde. Die Bundesanwaltschaft ermittelt.
  • Dezember 2016: Die Staatsanwaltschaft Köln erhebt Anklage gegen einen 16 Jahre alten syrischen Kriegsflüchtling. Der im September festgenommene Jugendliche soll einen Anschlag geplant haben. Er soll von einem Chatpartner im Ausland mit Verbindungen zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS) Anleitungen zum Bombenbau erhalten haben.
  • Dezember 2016: In Baden-Württemberg werden ein 17-Jähriger aus Mannheim und ein 15-Jähriger aus dem Kreis Aschaffenburg festgenommen. Sie sollen einen Anschlag auf eine öffentliche Einrichtung geplant haben. Laut Staatsanwaltschaft Karlsruhe waren die Pläne islamistisch motiviert. Die möglicherweise psychisch kranken Jugendlichen wollten sich den Angaben zufolge Schusswaffen beschaffen.
  • Dezember 2016: Der Tunesier Anis Amri steuert einen Lastwagen auf einen Berliner Weihnachtsmarkt und tötet zwölf Menschen.
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