Özdemir: Armenier-Genozid muss in Schulbücher

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Fordert vom deutschen Staat, im Umgang mit der Türkei mehr Rückgrat zu zeigen: Cem Özdemir, Bundesvorsitzender der Grünen.
Fordert vom deutschen Staat, im Umgang mit der Türkei mehr Rückgrat zu zeigen: Cem Özdemir, Bundesvorsitzender der Grünen. (Foto: dpa)
Schwäbische Zeitung
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Grünen-Chef Cem Özdemir appelliert an Bund und Länder, die Armenien-Resolution umzusetzen, die zu erheblichen diplomatischen Spannungen zwischen Deutschland und der Türkei geführt hat. Dazu gehöre konkret die Aufnahme des Völkermords des Osmanischen Reiches an 1,5 Millionen Armeniern in die Schulbücher. „Die deutsch-türkischen Kinder hören doch, Deutschland erkennt den Völkermord an, und zeitgleich hören sie zu Hause und über türkisch-nationalistische Medien, der habe gar nicht stattgefunden. Da muss die Schule aufklären“, sagte Özdemir im Interview mit der „Schwäbischen Zeitung“. Als Mitinitiator der Armenien-Resolution forderte Özdemir, auch über deutsche Völkermorde wie jene an den Nama und Hereros im heutigen Namibia dürfe nicht geschwiegen werden.

Der Grünen-Chef rief die Bundesregierung im Umgang mit der Türkei dazu auf, mehr Rückgrat zu zeigen. „Wenn ein starkes Land wie die Bundesrepublik Deutschland schon die Menschenrechte an der Garderobe abgibt, was erwarten wir dann von den anderen?“, sagte er. Dabei dürfe man nicht vergessen, dass Ankara auch Deutschland und Europa brauche, wenn es nicht in allzu große Abhängigkeit von Moskau geraten wolle.

Özdemir verlangt, dass der deutsche Staat genauer hinsehen müsse, wer in Moscheen und im Islamunterricht das Sagen hat. „Es kann nicht sein, dass der lange Arm der AKP bis in die deutschen Moscheen reicht.“ Er habe seit Langem gefordert, in Deutschland eigene islamische Religionslehrer auszubilden. „Der Wahlausgang in der Türkei darf nicht entscheidend dafür sein, was in der Schule in Ravensburg im islamischen Religionsunterricht den Kindern beigebracht wird“, sagte er.

Özdemir sprach sich auch für eine Stärkung von Bundes- und Landespolizei aus sowie für eine effektive Präventionsarbeit in Jugendclubs, Moscheen, in der Gefängnisarbeit und im Internet. „Salafisten dürfen nicht die besseren Sozialarbeiter sein. Aber wir brauchen eben auch eine Polizei, die so qualifiziert und ausgestattet ist, um diese Gefahren zu bekämpfen“, so der Grünen-Chef.

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