Ärztin aus Amtzell im Allgäu übernimmt Vorstandsvorsitz der deutschen Sektion von Ärzte ohne Grenzen

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 Zwölf Jahre war die neue Vorstandsvorsitzende Amy Neumann-Volmer der deutschen Sektion von Ärzte ohne Grenzen bisher für die Or
Zwölf Jahre war die neue Vorstandsvorsitzende Amy Neumann-Volmer der deutschen Sektion von Ärzte ohne Grenzen bisher für die Organisation im Einsatz. (Foto: Roland Rasemann)
Crossmedia-Volontärin

Zwölf Jahre, sieben Einsätze in Krisengebieten: Amy Neumann-Volmer aus Amtzell im Landkreis Ravensburg leistet für die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen dort Hilfe, wo sie am nötigsten gebraucht wird. Jetzt übernimmt sie den Vorstandsvorsitz der deutschen Sektion der Organisation, die in über 70 Ländern im Einsatz ist. Wie es ist, Menschen in Not zu versorgen, was sie antreibt und welche Ziele sie hat, erklärt sie Franziska Telser im Interview.

Frau Neumann-Volmer, seit 2007 engagieren Sie sich für Ärzte ohne Grenzen, jetzt sind sie Vorstandsvorsitzende. Wie ist es dazu gekommen?

Ich habe schon als Jugendliche in Frankreich die Gründung von Médecins Sans Frontières beziehungsweise Ärzte ohne Grenzen verfolgt. Meine Mutter ist Krankenschwester und so waren meine Eltern sehr engagiert. Meinem Mann und mir war immer klar, dass wir in der Organisation mitarbeiten möchten und so bin ich 2007 das erste Mal im Einsatz gewesen. Für den Vorstand habe ich mich vor zwei Jahren aufstellen lassen, weil ich fand, dass mehr Frauen vertreten sein sollten. Der Vorsitz hat sich dann eher aus Zufall ergeben.

Werden Sie auch als Vorstandsvorsitzende im Ausland unterwegs sein?

Solange ich das kann auf jeden Fall. Als Vorstand muss ich mich natürlich auch um organisatorische Dinge kümmern. Trotzdem bin ich weiterhin aktives Mitglied und solange es die Vorstandsarbeit und meine Praxis zulassen, werde ich weiterhin in Auslandseinsätze gehen. Zuletzt war ich im Tschad. Die Einsätze im Ausland sind eine unheimlich bereichernde Zeit. Ich kann meine Arbeit und mein Wissen überall auf der Welt einsetzen. Ein weiterer Einsatz ist aber noch nicht geplant.

Sieben Mal waren Sie für die Organisation im Einsatz, was hat sie am meisten mitgenommen?

Da gibt es so viele Momente, die einen oft traurig machen, an denen man aber auch wächst. Besonders trifft es mich, wenn Schwangere keine Möglichkeit zu einer sicheren Geburt haben, schwer krank am Krankenhaus ankommen und möglicherweise an der Entbindung sterben. Das darf im 21. Jahrhundert einfach nicht mehr sein. Oder wenn Menschen Krankheiten nicht überleben, die eigentlich heilbar wären. Ein Kind an Masern sterben zu sehen, das bleibt einem in Erinnerung. Das bewegt mich. Aber es motiviert mich gleichzeitig auch weiterzumachen.

Wie wollen Sie als Vorstandsvorsitzende die Organisation weiter voranbringen?

Für mich als Medizinerin steht der Patient an erster Stelle. In vielen Krisengebieten, wie etwa derzeit im Jemen, haben die Patienten und auch unsere Mitarbeiter immer größere Schwierigkeiten, unsere Krankenhäuser überhaupt zu erreichen. Sie müssen Frontlinien und Checkpoints passieren. Zudem wird die humanitäre Hilfe oft kriminalisiert und Patienten, Helfer und medizinische Einrichtungen werden zum Ziel von Angriffen.

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