Zwischen zwei Herzen

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Zwischen zwei Herzen
Katrin (Anna Schudt) muss sich zwischen ihrem Mann Mark (Felix Klare, r) und ihrem charmanten Zufallsbekannten Peter (Mark Waschke) entscheiden. (Foto: Marion von der Mehden/ARD Degeto / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Andreas Heimann

Die Hauptdarsteller sind alle drei „Tatort“-Kommissare. Anna Schudt ermittelt in Dortmund, Mark Waschke in Berlin, Felix Klare in Stuttgart. Und da geben sie eher die kühlen Profis, die nichts erschüttern kann.

In „Zwischen zwei Herzen“ ist das ganz anders. Da zeigen sie Gefühle - und zwar durchaus glaubhaft. Zu sehen ist das am Samstag (29. Juni) im Ersten, anders als geplant aber nicht um 20.15 Uhr, sondern wegen der Frauen-Fußball-WM erst um 21 Uhr.

Die stärkste Rolle hat Anna Schudt, die im Oktober schon im ZDF-Film „Aufbruch in die Freiheit“ eindrucksvoll gezeigt hat, dass sie mehr kann als „Tatort“. Für die Rolle als Mutter zweier Kinder, die sich Anfang der 70er Jahre für eine Abtreibung entscheidet, bekam sie die Goldene Kamera als „Beste deutsche Schauspielerin“ und den Bayerischen Fernsehpreis in derselben Kategorie. In „Zwischen zwei Herzen“ (Regie: Markus Herling) überzeugt sie mindestens genauso.

Schudt (45) spielt die Hals-Nasen-Ohren-Ärztin Katrin Schwitters, bei der während eines Medizinerkongresses ein Vortrag ausfällt. Und obwohl sie eigentlich nicht als sehr spontan gilt, fährt sie kurzerhand auf eine Nordseeinsel. Schon auf der Fähre wird das Wetter ungemütlich. Und als sie von Bord geht, gießt es in Strömen. Bleibt nur die Flucht ins „Hotel Leuchtturm“. Der Fährverkehr ist eingestellt, erfährt sie an der Rezeption - „bis irgendwann“.

So muss sie wohl oder übel auf der Insel bleiben - und abends einsam im Restaurant sitzen, wo sie am Klavier klimpert, ohne zunächst den einzigen anderen Gast Peter (Mark Waschke) zu bemerken. Draußen tobt der Sturm, dass die Fensterläden wackeln. Drinnen plaudern die beiden, bei denen vom ersten Moment an die Chemie stimmt. Schon bald tanzen sie engumschlungen zum Elvis-Klassiker „Can't Help Falling In Love“.

Wenn man sich verliebt, kann man nichts machen, wollte Elvis damit sagen, und Drehbuchautorin Alexandra Maxeiner lässt das erstmal so stehen. Ob das stimmt oder nicht, ist später dann noch eine wichtige Frage. Katrin bricht den Tanz allerdings ab und geht schlafen. Als sie am späten Vormittag aufwacht, ist der Sturm vorbei - und Peter wieder am Festland. Aber er hat ihr einen Brief dagelassen: „Danke für diesen wunderbaren Abend.“

Für einen kurzen Moment sieht es so aus, als wär's das gewesen. Aber nur ganz naive Zuschauer können annehmen, die beiden würden sich nicht wiedersehen. Tatsächlich dauert es nicht lange, da will Katrins alte Freundin Sanne (Kathrin Angerer) heiraten. Beim Treffen zur Vorbereitung der Hochzeitsfeier, taucht auch Sannes Freundin Elena (Stephanie Japp) mit ihrem Mann auf - und der ist natürlich Peter.

Katrin zweifelt ohnehin, ob ihre Beziehung zu ihrem Ehemann Mark (Felix Klare) noch trägt, weil schon die Frage, ob der junge Familienhund Bella ohne Leine vor die Tür darf, im Streit endet. Peter geht es ähnlich. „Mein Leben ist satt, es ist alles da“, sagt er zu Katrin. „Und auf einmal fühlt es sich an, als würde irgendwas fehlen.“ Die Frage ist, ob sie diese Lücke füllen möchte.

Beziehungsdrama ist vielleicht ein großes Wort für „Zwischen zwei Herzen“, aber neben manchen schnellen Gags und auf die Pointe zielenden Dialogen geht es eben doch um Themen von Gewicht. Und die behandeln die drei „Tatort“-Kommissare auf Abwegen durchaus eindrucksvoll.

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