Zwei Box-Sets von Richard Weize im Grammy-Wettbewerb

Lesedauer: 4 Min
Richard Weize
Bei seinen Kompilationen legt Richard Weize Wert auf Vollständigkeit und bestmögliche Qualität. (Foto: DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Bettina Greve

Der deutsche Musikproduzent Richard Weize macht sich - ungewollt - selbst Konkurrenz. Von fünf nominierten Titeln in der Kategorie „Bestes Historisches Album“ hat die Recording Academy, die am 10. Februar die Grammy Awards 2019 in Los Angeles vergibt, gleich zwei seiner Box-Sets ins Rennen geschickt.

„Ich würde mich sehr freuen, wenn es nach zehn Nominierungen diesmal tatsächlich mit einem Grammy für eine meiner beiden letzten großen Veröffentlichungen als Executive Producer bei Bear Family Records klappt“, sagt der Gründer des Plattenlabels aus dem Teufelsmoor bei Bremen der Deutschen Presse-Agentur.

Inzwischen hat der 73-Jährige seine Musikfirma verkauft, mit der er sich auf Werkschauen von Künstlern wie Johnny Cash oder Dean Martin sowie auf Wiederveröffentlichungen zumeist in den Bereichen Country, Blues, R&B und Schlager spezialisiert hat. Ganz zur Ruhe gesetzt hat sich Weize allerdings nicht. Er kocht seit 2016 auf kleinerer Flamme weiter. „Ich bringe jetzt Projekte zu Ende, die ich schon vor vielen Jahren für Bear Family angefangen habe“, sagt er.

Richard Weize hat sich zur Aufgabe gemacht, in alten Katalogen zu stöbern und wieder auszugraben, was in Vergessenheit zu geraten drohte und im Internet kaum zu finden ist. Das gilt auch für die beiden aktuellen Anwärter auf den wichtigsten Musikpreis der Welt.

Aufgestellt ist zum einen „Battleground Korea“ (4 CDs), eine Art Soundtrack des Koreakriegs (1950-1953) aus amerikanischer Sicht (Produktion: Hugo Keesing mit Christian Zwarg). Ebenfalls nominiert ist die 20-CD-Box „At The Lousiana Hayride Tonight“ (Produktion: Martin Hawkins mit Christian Zwarg), seltene Live-Aufnahmen einer wöchentlichen US-Radioshow ab Ende der 40er Jahre, unter anderem mit Hank Williams, Kitty Wells und dem jungen Elvis Presley.

„Ich tu das alles im Grunde nur, weil es mir Spaß macht - für Sammler wie mich, die etwas in der Hand haben wollen, technisch aufgearbeitet im Sound und angereichert mit Expertentexten und seltenen Fotos im Booklet; Marilyn Monroe auf Truppenbesuch in Korea beispielsweise. Streaming kann das nicht leisten und interessiert mich auch nicht“, erklärt Weize.

Kaum eine Überraschung ist, dass er mit seinen Compilations keinen Massenmarkt erreicht. Im Gegenteil: Viele seiner früheren Kunden lägen schon „tief unter der Erde“ oder seien mittlerweile so alt geworden, dass sie „solch eine schwere Box gar nicht mehr tragen können“, scherzt Weize. „2000 weltweit verkaufte Sets sind heutzutage schon richtig gut.“ Auf große Stückzahlen habe er aber ohnehin nie gesetzt, eher auf „bestmögliche Qualität“.

Weizes Veröffentlichungen für Bear Family sind nicht die einzigen aus Deutschland mit Chance auf eine goldglänzende Grammophon-Trophäe. Ebenfalls gelistet sind eine Handvoll Klassikproduktionen, darunter „A Rhapsody In Blue - The Extraordinary Life Of Oscar Levant“ vom letztjährigen Grammy-Gewinner und Produzenten Robert Russ (Sony Classical).

Grammy Awards 2019

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen