Zwölfjähriger Geiger spielt in der Carnegie Hall

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Deutsche Presse-Agentur

Carnegie Hall, New York: Diese Wörter reichen aus, um gestandenen Musikern einen Schauer über den Rücken zu jagen. Die Konzerthalle ist das Mekka der klassischen Künstler, ein Auftritt die Krönung der Karriere.

Für Elin Kolev aus Zwickau hat sich dieser Traum schneller erfüllt, als er sich das vorstellen konnte. Am 27. April kommt Elin der berühmten Bühne ganz nahe: Im Kammermusiksaal der Carnegie Hall, der Weill Recital Hall, wird er seine Geige schultern, den Bogen erheben - und mit gerade einmal zwölf Jahren ein Konzert spielen. Seine Augen blitzen, wenn Elin über die bevorstehende Reise in die USA spricht; nach außen aber wirkt der Junge schon fast professionell cool. „Ich habe mich sehr über die Einladung gefreut“, sagt er. Und dann hat er gleich überlegt, was er spielen will.

Mit im Programm ist auf jeden Fall das Violinkonzert Nr. 2 d-Moll op. 21 des französischen Komponisten Edouard Lalo (1823-1892), die Symphonie espagnole, die als besonders schwierig gilt. Elin hat das Stück mehrere Monate lang intensiv geübt. Einen Lieblingskomponisten hat aber er nicht und spielt klassische wie moderne Stücke.

Den Auftritt in der Carnegie Hall hat sich Elin ebenfalls hart erarbeitet: Beim XVII. Grand Prize der New Yorker Ibla-Stiftung im vergangenen Juli auf Sizilien setzte er sich gegen 252 Musiker verschiedenen Alters durch und erhielt nicht nur den Pablo-de- Sarasate-Preis, sondern auch die Auszeichnung „Bestes junges Talent“. „Das Konzert in New York ist der Preis“, sagt der Zwölfjährige. Dafür darf er auch die Schule ausfallen lassen. „Meine Direktorin ist sehr großzügig.“ Nur seine Mitschüler am Gymnasium sind manchmal doch etwas neidisch, wenn der Sechstklässler mal wieder auf Konzertreisen geht, und sie stattdessen Mathe und Englisch pauken müssen.

Bereits seit sieben Jahren spielt Elin Geige, seit zwei Jahren ist er ausnahmsweise Jungstudent der Leipziger Professorin Carolin Widmann. Etwa ein- bis zweimal pro Woche erhält er von ihr privaten Unterricht, ansonsten übt er im Robert-Schumann-Konservatorium in Zwickau. Ausgleich für das stundenlange Üben - „mindestens drei Stunden täglich“ - waren auch mehrere Meisterkurse, unter anderem am Salzburger Mozarteum. Und sein zweites Hobby Standardtanz - der ist gut für die Haltung.

Zu Hause stehen ihm seine Eltern Margaritka und Marian, die vor gut 20 Jahren aus Bulgarien nach Deutschland kamen, mit Rat und Tat zur Seite, beide Orchestermusiker und Violinisten. „Ich wollte von Anfang an Geige spielen, auch wegen der Verbundenheit mit meinen Eltern“, sagt Elin. „Und die Violine hat so einen schönen Klang.“ Vor allem die G-Saite seines Instruments hat es dem Jungen angetan, der jetzt von einer kleinen 3/4-Geige auf eine große Geige wechselt.

Doch ein gutes Instrument kostet viel Geld, Elins Eltern können daher vorerst nur eine Geige ausleihen. Jetzt aber hat der Förderverein des Zwickauer Konservatoriums ein Spendenkonto eingerichtet, von dem die Geige bezahlt werden soll. „Vielleicht bleibt ja noch etwas übrig für einen Bogen“, sagt Vater Marian schmunzelnd.

Die Eltern wollen ihren Sohn nicht alleine über den „großen Teich“ reisen lassen. Schließlich stehen nicht nur der Auftritt in New York auf dem Programm, sondern auch noch Konzerte in Roanoke im US- Bundesstaat Virginia, Grand Forks (North Dakota) und Little Rock (Arkansas). „Es sind 13 Flüge und 7 Konzerte“, zählt Elin auf. Die Reisekosten für die Familie werden nicht von der Ibla-Stiftung getragen und sollen ebenfalls mit Spenden finanziert werden.

Seine 17-jährige Schwester Natali ist nicht mit von der Partie. Bis vor wenigen Jahren sind die Geschwister gemeinsam aufgetreten, etwa verkleidet als Wolfgang und „Nannerl“ Mozart mit Geige und Klavier. Doch Natali hat keine Lust mehr zum Spielen. „Sie ist in der Pubertät, da zählen andere Dinge“, sagt Mutter Margaritka und lächelt. Elin aber kann sich ein Leben ohne Musik und Auftritte schon gar nicht mehr vorstellen. „Ein Beruf wie Zahnarzt reizt mich nicht“, sagt er. „Als Musiker wird man vom Publikum mit Applaus belohnt. Das gefällt mir.“

www.robert-schumann-konservatorium-zwickau.de

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