Zurück in die Zukunft mit Joe Colombo

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Deutsche Presse-Agentur

„Joe Colombo - Design und die Erfindung der Zukunft“ präsentiert Prototypen aller wichtigen, von ihm entworfenen Möbel. Auch Skizzen, Pläne, Architekturmodelle, Filme und Fotos sind zu sehen. Fast alles stammt aus den 60er Jahren.

Colombo gilt als Design-Ikone - vor allem aus Sicht der Designer. In der breiten Öffentlichkeit ist da noch eine Menge zu tun“, sagt Museumsdirektorin Eva Maria Hoyer. Daher holte sie die Gemeinschafts- Schau des Design-Museums Weil am Rhein, der Triennale di Milano und des Mailänder Studios Joe Colombo, das dessen Nachlass verwaltet, nach Leipzig. Deren Motto könne auch „Zurück in die Zukunft“ lauten, sagt Hoyer. Kurator Mateo Kries betont, dass der Italiener seiner Zeit weit voraus war. „Seine Produkte passen eher in die 90er Jahre oder in die heutige Zeit.“

Cesare „Joe“ Colombo, Sohn eines Elektrobedarf-Herstellers, war zunächst Maler der Gruppe der „Nukleare Bewegung“, absolvierte aber zugleich ein Ingenieursstudium. Dann widmete sich der obsessiv arbeitende Mailänder, der auch stark vom Zeitalter der Raumfahrt geprägt war, der Architektur und dem Design. „Er war einerseits sehr technisch interessiert, andererseits ein Fantast, Träumer und Science-Fiction-Fan“, sagt Kries. „Die Verbindung dieser beiden Pole ist das Einzigartige an seinem Werk.“ So wirken die Produkte oft wie aus einem Science-Fiction, sind aber für die Massenproduktion entworfen. „Er hat versucht, ein Maximum an Utopie in den Alltag und das Industriedesign zu retten“, so der Kurator.

Die Schau zeigt etwa den ersten Stuhl, der komplett nur aus einem Material bestand: das Kunststoff-Modell „Universale“ (1965). Zu sehen sind auch der inzwischen wieder begehrte und nicht gerade preiswerte Rollcontainer „Boby“ (1970), der opulente Kunststoff- und Leder- Sessel „Elda“ (1963), das aus mehreren großen Rollen bestehende Sitz- und Liegemöbel „Tube-Chair“ (1969) und der Sessel „Sella“ (1964), der wie ein Kommandositz aus dem Raumschiff Enterprise wirkt. Viele der Möbel sind für die damalige Zeit ungewöhnlich riesig, für „Elda“ etwa ließ sich der Designer von Bootsbauern beraten.

Auch komplette Wohnungseinrichtungen entwarf Colombo - sie heißen etwa Wohnkapsel oder Wohnlandschaft. Der Nachbau des Interieurs seines letzten Appartements ist ebenfalls zu sehen: mit einem futuristischen „Cabriolet“-Bett, Möbeln nach dem Baukastenprinzip und Hausbar samt Pfeifenhalter. Der trinkfreudige Raucher und Gestaltungskünstler starb an seinem 41. Geburtstag im Juli 1971 während eines Spaziergangs an einem Herzinfarkt.

www.grassimuseum.de

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