Zu wenig Gemüse, zu viel Fleisch

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 Salatbar in einer Schulkantine: Fragt man Schüler nach ihrem Lieblingsessen, sind auf den vorderen Plätzen eher Pizza und Pomme
(Foto: dpa)
Rasmus Buchsteiner

Gesundes anstelle von Pommes und Pizza: Bundesernährungsminister Christian Schmidt (CSU) will die Verpflegung in Schulen und Kindertagesstätten verbessern und startet eine „Qualitätsoffensive“. „Das Mittagessen in Kitas und Schulen muss lecker, ausgewogen und hochwertig sein“, sagte Schmidt bei der Vorstellung der Pläne am Dienstag in Berlin. „Unsere Kinder brauchen eine gesunde Ernährung für ihre Entwicklung und den Lernerfolg.“ Fragen und Antworten zur Debatte über die Verpflegung in Deutschlands Schulen und Kitas.

Wie viele Kinder und Jugendliche essen täglich in Schule oder Kita?

Die Zahl nimmt zu. 2008/2009 waren es noch 27,1 Prozent der Schülerinnen und Schüler, 2013/2014 bereits 35,8 Prozent – Tendenz weiter steigend. In den Grundschulen wird das Mittagsangebot etwa von der Hälfte der Schülerinnen und Schüler genutzt, in den weiterführenden Schulen von rund 30 Prozent.

Was ist das Lieblingsessen von Deutschlands Schülern?

Laut einer Studie für das Bundesernährungsministerium stehen Nudeln, Pizza, Pfannkuchen und Pommes bei Kindern und Jugendlichen besonders hoch im Kurs. Zu den „Ätzgerichten“ zählen Spinat, Suppen, Fisch und Kartoffeln. Ihre Verpflegung bewerten die Schülerinnen und Schüler im Schnitt mit der Schulnote „gut“ bis „befriedigend“.

Was kostet das Schulessen?

Die Preise schwanken von Schule zu Schule. An den Grundschulen sind es im Schnitt 2,83 Euro pro Mittagessen, an weiterführenden Schulen 3,05 Euro. Rund 40 Prozent der Schulessen werden von externen Unternehmen angeliefert. Ansonsten wird das Essen in der Schule zubereitet – etwa von Caterern.

Welche Verpflegung empfehlen Experten?

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt: täglich Gemüse sowie an mindestens acht von 20 Verpflegungstagen Salat oder Rohkost, maximal acht Mal (möglichst helles) Fleisch oder Wurst sowie an mindestens vier Tagen Seefisch. Verarbeitete Produkte wie Pommes, Kroketten oder Kartoffelpüree sollte es höchstens einmal in der Woche geben. Als Getränke werden Wasser sowie ungesüßte Tees empfohlen.

Werden die Experten-Empfehlungen auch beachtet?

Oftmals sind die DGE-Ernährungsstandards noch nicht einmal bekannt – in Nordrhein-Westfalen etwa an 46,3 Prozent der Schulen und Kitas und in Baden-Württemberg an 43 Prozent, wie aus der Studie für das Bundesernährungsministerium hervorgeht. Ein Drittel der Schülerinnen und Schüler bekommt nicht täglich Gemüse. An 78 Prozent der Schulen wird zu häufig Fleisch serviert, an 41,6 Prozent zu wenig Fisch.

Sind Deutschlands Kinder und Jugendliche zu dick?

Bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland gilt jeder fünfte als übergewichtig, jeder zwanzigste sogar als fettleibig. Bei einem Body-Mass-Index (BMI) von 25,0 bis 29,9 ist von Übergewicht die Rede, bei 30,0 oder mehr von Fettleibigkeit.

Wie sieht die neue „Qualitätsoffensive“ des Ernährungsministers aus?

Ein „Nationales Qualitätszentrum Schulverpflegung“, das noch im ersten Halbjahr dieses Jahres starte, soll Zulassungsverfahren für Essenslieferanten entwickeln. „Ich will, dass es eine Art TÜV für Schul- und Kita-Essen gibt und dass Siegel verteilt werden“, sagte Minister Schmidt. Zudem will er die DGE-Standards bekannter machen. Experten-Empfehlungen sollen flächendeckend umgesetzt werden. Die Grünen üben Kritik: „Es reicht nicht Muster-Beschwerdebriefe an die Kommunen und Schulträger vorzuformulieren.“

Was wird aus der Forderung nach einem Schulfach Ernährung?

Ernährungsminister Schmidt bekräftigt seine Forderung: Gesunde Ernährung gehöre auf den Lehrplan. An 76,5 Prozent der Schulen in Deutschland werden bereits Ernährungsunterricht oder entsprechende Projekte angeboten – jedoch nur in 44,6 Prozent der Fälle wöchentlich. Schmidt sieht bei den Ländern allerdings die Bereitschaft, gesunder Ernährung auf den Lehrplänen einen

höheren Stellenwert einzuräumen.

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