Zeitumstellung - sollte das nicht abgeschafft werden?

Lesedauer: 12 Min
Zeitumstellung
Warum werden eigentlich die Uhren umgestellt? Unser Video gibt Antworten.
Deutsche Presse-Agentur
Selina Erath

In der Nacht von Samstag, 26. Oktober 2019, auf Sonntag, 27. Oktober 2019, werden in Deutschland die Uhren auf Winterzeit umgestellt.

Um 3 Uhr wird der Zeiger auf 2 Uhr um eine Stunde zurückgestellt und damit wieder auf die normale Mitteleuropäische Zeit (MEZ).

Eselsbrücken für die Zeitumstellung

Zwei Mal im Jahr stellen sich viele Menschen wieder aufs Neue die Frage: Wie muss ich die Uhr bei der Zeitumstellung ändern - vor oder zurück?

Mir folgenden prominenten Eselsbrücken haben Sie die Antwort immer sofort parat:

  • Im Winter hinter: Entsprechend gilt für das Frühjahr, dass die Uhren eine Stunde vorgedreht werden.
  • Bei der Zeitumstellung ist es wie mit den Gartenmöbeln: Im Frühjahr kommen sie VOR die Tür, im Herbst ZURÜCK in den Schuppen.
  • Für alle Zahlenmenschen gibt es die 2-3-2-Regel: Im Frühjahr wird die Uhr von zwei auf drei Uhr gestellt, im Winter wieder von drei auf zwei Uhr.

Abschaffung Zeitumstellung: Da war doch mal was?

Die EU-Kommission hatte am 31. August 2018 die Ergebnisse einer öffentlichen Befragung verkündet, wonach sich von 4,6 Millionen Teilnehmern in der Europäischen Union mehr als 80 Prozent für die Abschaffung der halbjährlichen Zeitumstellung aussprachen.

Das Europaparlament hatte sich ebenfalls für eine Abschaffung starkgemacht. Mindestens 16 der 28 europäischen Mitgliedstaaten müssten zustimmen und dabei mindestens 65 Prozent der EU-Bevölkerung stellen.

Bei den zuständigen Verkehrsministern gibt es dazu bislang aber noch keine Einigung.

Die Sinnhaftigkeit der Zeitumstellung wird schon länger diskutiert. Seit 1996 werden in der EU am letzten Sonntag im März sowie am letzten Sonntag im Oktober die Uhren jeweils eine Stunde umgestellt.

In Deutschland gibt es die Sommerzeit schon seit 1980. Ursprünglich sollte dank einer besseren Ausnutzung des Tageslichts Energie gespart werden, doch der wirtschaftliche Nutzen ist verschwindend gering.

Zudem legen wissenschaftliche Erkenntnisse nahe, dass manche Menschen gesundheitlich unter der Zeitumstellung leiden.

Gesundheitliche Folgen durch Zeitumstellung

"Im Frühjahr entstehen die gesundheitlichen Probleme, wenn wir eine Stunde früher als gewohnt aufstehen müssen", meint Albrecht Vorster, Diplom-Biologe und Schlafforscher an der Universitätsklinik Tübingen. auf Rückfrage von Schwäbische.de.

Der Blutdruck sei dann bei anfälligen Menschen noch nicht ganz oben, was zu Schwindel, Unwohlsein und Kreislaufbeschwerden führen könnte, so Vorster weiter. 

Unsere gesamte innere Uhr muss um eine Stunde umgestellt werden. Jedes Organ, ja jede Körperzelle trägt eine eigene molekulare Uhr.

Albrecht Vorster, Diplom-Biologe und Schlafforscher

In der Tat ist es mittlerweile unstrittig, dass die Umstellung auf Sommerzeit Stress für Körper und Geist bedeutet. Häufig fällt hier der Vergleich mit Reisen in eine andere Zeitzone.

Bis dieser Mini-Jetlag mit möglichen Schlafstörungen verkraftet ist, können bis zu zwei Wochen vergehen, sagt Professorin Kneginja Richter der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

In der jüngeren Forschung gibt es zudem Hinweise, dass sich der biologische Rhythmus bei manchen Menschen sogar noch etwas langsamer harmonisiert.

Der Mensch muss 30 Billionen Uhren umstellen

"Unsere gesamte innere Uhr muss um eine Stunde umgestellt werden. Jedes Organ, ja jede Körperzelle trägt eine eigene molekulare Uhr. Das sind 30 Billionen Uhren. Die inneren Uhren geben vor, wann bestimmte Stoffe produziert oder abgebaut werden", meint Biologe Albrecht Vorster.

Der Mensch sei deshalb "ein wandelndes Uhrenkabinett". Wie bei einem Flug in eine andere Zeitzone, so müssten diese unzähligen inneren Uhren eben auch bei der Zeitumstellung umgestellt werden.

"In der Jugend läuft das noch recht leicht, je älter wir aber werden, desto schwerer lassen sich unsere inneren Zeiger bewegen, eine Zeitumstellung bereitet uns dann mehr Probleme", erklärt der Autor des Buches "Warum wir schlafen".

Die innere Uhr des Menschen lässt viele Prozesse in Zyklen von rund 24 Stunden ablaufen - etwa Veränderungen der Körpertemperatur und des Blutdrucks, die Ausschüttung von Hormonen sowie den Schlaf-Wach-Rhythmus.

Die Krankenkasse DAK hat festgestellt, dass in den ersten drei Tagen nach der Zeitumstellung 25 Prozent mehr Patienten mit Herzbeschwerden ins Krankenhaus kamen als im Jahresdurchschnitt.

Sommerzeit oder Winterzeit - was kann weg?

In der Debatte über die Abschaffung der Zeitumstellung und die gesundheitlichen Auswirkungen steht zudem die Frage im Raum, welche Zeit denn abgeschafft werden sollte: Die Sommerzeit oder die sogenannte "Winterzeit", die eigentlich die Normalzeit ist.

Eine dauerhafte Winterzeit kommt den natürlichen Verhältnissen auch am nächsten, das betont auch Biologe Vorster auf Nachfrage von Schwäbische.de.

"Unserm Körper tut es ganz gut, eine Stunde später aufzustehen, insbesondere wenn es dann wieder beim Aufstehen morgens hell ist. Denn wir brauchen die Sonne, um wach zu werden und in die Gänge zu kommen", erklärt der Schlafforscher.

Deshalb sei eine ganzjährige Sommerzeit "eine schlechte Idee". So müssten wir im Winter eine Stunde früher aufstehen, mitunter schon drei Stunden vor Sonnenaufgang.

Das sei "nicht nur quälend, sondern macht uns auch ein bisschen unglücklich", meint Vorster. "Jeder Schlafwissenschaftler kann von dieser Schnapsidee nur abraten, denn Winterzeit ist die Normalzeit und an der sollten wir nicht drehen."

Wie merken Sie sich die Richtung?

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen