Zehntausende strömen in das Neue Museum in Berlin

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Deutsche Presse-Agentur

Königin Nofretete lässt noch auf sich warten - doch Berlins Neues Museum hat auch mit leeren Ausstellungshallen am Wochenende mehr als 32 000 Menschen angelockt.

Zu den Tagen der offenen Tür konnten sie erstmals nach der mehr als zehnjährigen Bauzeit das vom britischen Stararchitekten David Chipperfield rekonstruierte Haus auf der Museumsinsel bestaunen. Die offizielle Eröffnung des Museums, das im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt wurde, ist am 16. Oktober. Dann sind dort die ägyptische Sammlung und das Museum für Vor- und Frühgeschichte zu sehen.

Schon am Sonntagvormittag standen zwischen 5000 und 6000 Menschen in einer langen Schlange, die sich durch den Lustgarten bis zur Karl-Liebknecht-Straße hinzog. „Wir bemühen uns, alle durchzuschleusen“, sagte Christoffer Richartz vom Besucherdienst der Staatlichen Museen Berlin. Die Wartezeit zum Mittag lag bei rund zwei Stunden. Bis zum Abend rechnete er mit mehr als 35 000 Besuchern. Die langen Wartezeiten nahmen die vielen Besucher aber gerne in Kauf. „Es ist wirklich sehr gut gelungen. Man sieht die Zerstörung und gleichzeitig wurde der Geschmack der Neuzeit getroffen“, sagte Reinhard Jagsch, der vor zwölf Jahren die Museumsruine besichtigt hatte.

Bei der 200 Millionen Euro teuren Sanierung hatten der britische Stararchitekt und ein internationales Expertenteam nach langen Debatten den seit Jahrzehnten leerstehenden Meisterbau des Schinkel-Schülers Friedrich-August Stüler (1800-1865) Zentimeter für Zentimeter freigelegt. „Die Ruine war von der Geschichte vergessen worden“, sagte Chipperfield. Anders als üblich wurden die Schäden der Zeit als sichtbares Zeichen in dem Ensemble deutlich gemacht.

Risse und Einschüsse, Leerstellen und die zum Teil abgebröckelte Fassade blieben weitgehend unberührt, Chipperfield schützte sie nur vor weiterem Verfall. Vor allem in dem einst pompösen Treppenhaus setzte Chipperfield sein Konzept am sichtbarsten um. Wo einst Wandmalereien und Dekor der Antike huldigten und goldschimmernde Deckenbalken an eine römische Villa erinnerten, steht nun ein wuchtiger Aufstieg aus Edelbeton.

Aber auch Kritik war zu hören. Mitglieder der Gesellschaft Historisches Berlin (GHB) verteilten während der Tage der offenen Tür Umfragezettel und sprachen sich gegen die Neukonstruktion aus. „Denkmalpflege ist zur Wundmalpflege geworden“, sagte der GHB-Vorsitzende Bernd Wendland mit Blick auf die neue Fassade des Museums. Unmut löste bei den GHB-Anhängern, die schon in der Planungsphase gegen Chipperfields Projekt protestiert hatten, vor allem das Edelbeton-Treppenhaus aus.

Das Museum soll ein Panorama über die Kulturgeschichte bieten - vom Schädel des Neandertalers über die Troja-Schätze Heinrich Schliemanns bis zu den römischen Götterstatuen aus Alexandria - und um Fragen wie „Chaos und Kosmos“, „Gott und Götter“ kreisen. Die Büste von Nofretete soll unter der Nordkuppel des Museums aufgestellt werden, in einer Sichtachse zur Gestalt des Sonnenkönigs Helios.

www.mauerfall09.de

www.smb.spk-berlin.de

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