ZDF-Dreiteiler über die Krupps feiert Premiere

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Deutsche Presse-Agentur

Auch mehr als 40 Jahre nach dem Tod des letzten Krupp lebt der Mythos des einst mächtigsten deutschen Industriellenclans in der Revierstadt Essen weiter.

„Ich habe Alfried noch gekannt“, berichtet eine 80-jährige Besucherin am Montagabend unter Beifall der Umstehenden. Nach der Premiere des ZDF-Dreiteilers „Krupp - eine deutsche Familie“ im historischen Kino Lichtburg haben Erinnerungen an persönliche Begegnungen mit Mitgliedern der Industriellenfamilie Hochkonjunktur.

Der große Saal im Essener Traditionskino ist an diesem Abend ausverkauft, der Name Krupp hat wenige Kilometer vom historischen Stammsitz des Konzerns immer noch einen magischen Klang. Das ZDF zeigt den mit einem Budget von 11,4 Millionen Euro produzierten historischen Fernsehfilm rund um das Schicksal der Industriellenfamilie an drei Abenden am 22., 23. und 25. März.

Menschliche Schicksale und Tragödien stehen im Mittelpunkt des als große Familiensaga angelegten Fernseh-Dreiteilers. Im Zentrum steht die Beziehung des 1967 im Alter von 60 Jahren gestorbenen Firmenerben Alfried Krupp von Bohlen und Halbach (Benjamin Sadler) zu seiner herrischen Mutter Bertha (Iris Berben). Der historische Rahmen der Familiengeschichte wurde dabei durch Fiktion ergänzt. „Vieles, oft natürlich Privates, liegt im Dunkeln und muss gefolgert und weitergedacht werden“, so Drehbuchautor Christian Schnalke.

Gedreht wurde der Film an rund 20 historischen Standorten, nur nicht am Essener Krupp-Stammsitz Villa Hügel. Statt in dem historischen, schneeweiß verputzten 269-Zimmer-Bau auf den Ruhrhöhen residieren die Krupps im Film in einem Backstein-Schloss. Die Essener Krupp-Stiftung als Besitzerin der Villa öffne die Tore nur für Dokumentationen und touristische Aufnahmen, hieß es. Der amerikanische Besitzer des ehemaligen Krupp-Feriensitzes Schloss Blühnbach in Österreich hatte dagegen bereitwillig sein Anwesen dem Filmteam zur Verfügung gestellt.

Berthold Beitz (95), Vorsitzender des Kuratoriums der Krupp- Stiftung, wahrte Distanz und blieb dem Kino-Abend fern. Die Stiftung ist heute mit einem Anteil von 25,1 Prozent größter Einzelaktionär des seit knapp zehn Jahren mit dem Konkurrenten Thyssen fusionierten Ruhr-Konzerns. Beitz, der im Film von Horst-Günter Marx verkörpert wird, hatte den Film-Produzenten Oliver Berben zusammen mit dessen Mutter Iris Berben während der Dreharbeiten zu einem Gespräch empfangen.

Besonders dramatisch wird im Film der von Beitz betriebene Erbverzicht des einzigen Alfried-Sohns Arndt (Nikolai Kinski) dargestellt, der schließlich den Weg zur Einbringung des Kruppschen Firmenvermögens in die Stiftung ebnete. Während Arndt in der Film- Szene im Hermelin-Mantel die Entscheidung in der noblen Kulisse des österreichischen Schlosses Blühnbach fällt, soll sich der historische Vorfall nach den Erinnerungen von Zeitzeugen schlicht bei Beitz in Essen abgespielt haben.

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