Wilsberg: Mörderische Rendite

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Wilsberg: Mörderische Rendite
Wilsberg (Leonard Lansink, l) soll für die Gattin von Bankfilialleiter Michael Wolff (Thomas Schmuckert) ein Buch aus seinem Antiquariat als Geburtstagsgeschenk besorgen. (Foto: Thomas Kost/ZDF / DPA)
Deutsche Presse-Agentur

Die Szene ist gespenstisch. Zwei Gestalten treffen sich unter einer Brücke. Eine von ihnen gerät in das Fadenkreuz eines Gewehres. Hochspannung gleich zu Beginn des neuen „Wilsberg“-Krimis im ZDF.

Wie ein Thriller führt das Drehbuch in die Handlung ein. Dann fällt der Schuss. Alles Hoffen und Bangen vergebens. Einer der beiden stirbt - das Gesicht weggeschossen. Ungewohnt brutal für das Team um den Privatdetektiv und ewig klammen Buchhändler Georg Wilsberg (Leonard Lansink).

Und so vermutet der Ermittler Overbeck (Roland Jankowsky) auch schnell einen Mafia-Killer hinter der Tat, der unter der Brücke am Aasee in Münster zugeschlagen hat. Ob Mafia oder Finanz-Mafia - seine Chefin Kommissarin Anna Springer (Rita Russek) meldet Zweifel an. Nach den ersten Ermittlungen der Polizei in Münster wird ihr schnell klar, dass es um Geld geht, um soziale Schicksale und die kleinen und großen Finanzsorgen von Nachbarn und Kollegen von Wilsberg. Und Springer wird selbst reingezogen in den Fall, denn die Kommissarin hat viel Geld in ihre Altersvorsorge investiert und - alles verloren.

Der 61. Fall an diesem Samstag mit dem Titel „Mörderische Rendite“ (ZDF, 20.15 Uhr) kommt gewohnt als Krimikomödie daher. Die Hochspannung zum Auftakt und die sensiblen Einblicke in das Seelenleben von verzweifelten Rentnern, die von skrupellosen Finanzberatern um ihre Ersparnisse gebracht wurden, sind für den Wilsberg-Fan aber eher ungewohnt. Der Drehbuchautor Georg Ludy und der Regisseur Martin Enlen gelingt aber eine gute Mischung, auch wenn dem Zuschauer nach der Selbsttötung des langjährigen Wilsberg-Nachbarn Paul Dietze (Michael Kauscheine) die Lacher der Folge im Halse steckenbleiben. Die Gesellschaftskritik an Altersarmut und Fehlern im Rentensystem („40 Jahre arbeiten und dann zur Suppenküche?“) kommt an und wirkt nicht aufgesetzt.

Was die Folge neben dem Plot so kurzweilig macht, sind die Schauspieler in den Nebenrollen als Gegengewicht zum eingespielten Wilsberg-Team. Der Österreicher Simon Schwarz (zuletzt als Täter im Wien-„Tatort“ und Ensemble-Mitglied bei den ARD-„Vorstadtweibern“) ist als gerissener Finanzberater Uli Pape ebenso eine Wucht wie Michael Brandner („Hubert und Staller“) als schmieriger Bankenchef. Mörderische Rendite traut der Zuschauer beiden zu. Cornelia Gröschel spielt eine gerissene Versicherungsvertreterin, die Ekki (Oliver Korittke) als versteckten Ermittler die Schamesröte ins Gesicht treibt. Gröschel ist die neue Kommissarin im Dresden-„Tatort“ und löst dort ab 2019 Alwara Höfels ab.

Am Ende löst sich die Frage, wer das Gewehr mit dem Fadenkreuz gehalten hat, überraschend auf. Keine Überraschung mehr ist die Zuneigung, die Anna Springer für Georg Wilsberg empfindet. Die Kommissarin träumt davon, mit dem Eigenbrötler in den Urlaub zu fahren. Im Abspann sitzen die beiden zur Melodie des Bee-Gees-Klassikers „How Deep Is Your Love?“ („Wie stark ist Deine Liebe?“) vor dem Werbeplakat eines Kreuzfahrtschiffes. Die nächste Wilsberg-Folge auf dem Traumschiff? Die Gesichtszüge des Privatdetektivs lassen erahnen, was er davon hält.

ZDF zu Wilsberg

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