Wilsberg: Ins Gesicht geschrieben

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Wilsberg: Ins Gesicht geschrieben
Selbst über den Offliner Georg Wilsberg (Leonard Lansink) findet die App FACE 23 einige wenige Treffer im Netz. (Foto: Thomas Kost/ZDF/dpa / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Carsten Linnhoff

Die 64. Wilsberg-Folge hat einen fast 25 Jahre dauernden Vorlauf. In jeder seit 1995 ausgestrahlten Episode über den kauzigen und ständig klammen Privatdetektiv Georg Wilsberg wurde Bielefeld erwähnt - nur die wenigsten Zuschauer werden das bemerkt haben.

Der ZDF-Krimi spielt eigentlich in Münster. Die Einwohner der beiden Oberzentren im Münsterland und Ostwestfalen verbindet eine immerwährende Rivalität. Martin R. Neumann ist der zuständige Redakteur beim ZDF. Als gebürtiger Bielefelder konnte er sich den Einbau der ständigen Erwähnung nicht verkneifen.

Und jetzt das. Die nächsten zwei Folgen spielen komplett in Bielefeld - rund 80 Kilometer entfernt von Wilsbergs Antiquariat. Los geht es am Samstag (ZDF, 20.15 Uhr) mit Folge 64 und dem Titel „Ins Gesicht geschrieben“. Dabei packen Dominic Müller (Regie) und Mario Sixtus (Drehbuch) ein brandaktuelles Eisen an. Es geht um Datenschutz und all das, was jeder freiwillig über sich im Internet preisgibt. Die App Face23 sammelt alles zusammen und spuckt Erschreckendes nach einem Gesichtsscan über die Person aus.

Sixtus, Grimme-Online-Preisträger 2007 für den Handelsblatt-Video-Blog „Elektrischer Reporter“, ist nicht nur Drehbuchschreiber, sondern auch Filmemacher und Journalist. Er weiß, dass der Stoff dieser Wilsberg-Folge keine Zukunftsvision ist, sondern längst Realität. Die Algorithmen von Facebook, Amazon, Google und Co. wissen bereits mehr über uns als uns lieb ist. Der in Bielefeld ansässige Verein Digitalcourage wird sich freuen. Er vergibt einmal im Jahr den Negativ-Preis „Big Brother Award“ und beklagt genau das, was diesen ZDF-Samstagskrimi im Kern ausmacht.

Und so fährt das Wilsberg-Team erstmals nach Bielefeld. Der eine (Oliver Korittke als Ekki Talkötter) will einen alten Kumpel beim Finanzamt treffen, der andere (Roland Jankowsky als Overbeck) sich in Sachen Digitale Ermittlungen bei der Polizei profilieren, und Ina Paule Klink als Alexandra Holtkampf wirft sich als Bettgespielin in die Arme des schmierigen Firmenchefs und späteren Opfers.

Für Kommissarin Springer, gespielt von Rita Russek, war kein Platz mehr in den verworrenen Erzählsträngen. Sie darf Urlaub machen auf Borkum. Denn in Bielefeld ermittelt nun einmal die ortsansässige Polizei. Eine Auszeit wäre auch für Wilsbergs Patenkind Alex besser gewesen, denn das Drehbuch will zuviel auf einmal. Was nicht passt, wurde passend gemacht. Jörg Pintsch spielt den unsympatischen Benjamin Heller zwar hervorragend, aber dass Alex mit diesem Ekel ins Bett geht - schwer vorstellbar.

Schade, denn die Folge hat gute Ansätze. Dass Wilsberg (Leonard Lansink) sich als digitaler Nichtsnutz outet, deutet ein Programmierer der umstrittenen App als Problem. „Sie teilen nichts, sie posten nichts. Da kann der Algorithmus nur noch raten und das macht Sie verdächtig.“ Der Privatdetektiv ist verzweifelt: „Wenn man am dem ganzen Internetquatsch nicht teilnimmt, wird man gleich verdächtig?“ Selbst der Programmierer Bruno Korati (Arnd Klawitter) kommen da Zweifel: „Für diese App hier schon. Für die sind Sie ein richtiger krummer Hund.“

Die Grundidee und die Kritik an der schönen neuen Datenwelt ist passend - aber Folge 64 will zu viel auf einmal. Schließlich musste auch noch Bielefeld vorkommen. Und so durfte die Sparrenburg als Wahrzeichen der Stadt nicht fehlen und gleich zweimal fuhr Wilsberg im Auto vor dem Alten Rathaus in der Innenstadt vorbei. Den in Sachen Münster und Bielefeld neutralen Zuschauern wird es egal sein. Die Auflösung der Geschichte am Ende kam überraschend gelungen daher.

Wilsberg im ZDF

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