Werke von Henri Rousseau in Neuss

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Deutsche Presse-Agentur

André Breton bescheinigte ihm einen originellen „magischen Realismus“, Picasso, Kandinsky und andere verehrten ihn: Henri Rousseau (1844-1910), Klempnersohn und malender Autodidakt, gilt als Begründer einer eigenständigen, naiven Kunst.

Mehr als 100 Werke des heute weltweit geschätzten Franzosen und seiner malenden „Enkel“ zeigt das Clemens-Sels-Museum in Neuss bei Düsseldorf bis zum 24. Mai. Die Schau mit dem programmatischen Titel „Auf eigenen Wegen“ speist sich vor allem aus der 700 Werke umfassenden Sammlung naiver Kunst, die das Neusser Museum seit den 60er Jahren zusammengetragen hat.

Deutlich wird, wie bei der magischen Erfassung der Welt eine ganze Künstlerriege mehr oder weniger bekannter Maler dem Weg des Franzosen gefolgt ist, der wegen seiner Anstellung bei der Finanzverwaltung als „Zöllner Rousseau“ in die Kunstgeschichte eingegangen ist. Die meisten der künstlerischen „Außenseiter“, deren Kreativität oft erst nach dem Berufsleben erwacht ist, dürften den Namen des Franzosen wohl nie gehört haben.

Bewusster Verzicht auf illusionistische Perspektive oder Schatten bei der sonst oft genauen Schilderung der Dingwelt rücken die meisten Werke in die Nähe neusachlicher oder surrealer Kunst, lassen die Realität hinter dem Traum zurücktreten. Dies gilt für Rousseaus eindrucksvoll-monumentales „Bildnis einer Frau“ (um 1906) vor blutrotem Wandbehang ebenso wie für den poetischen „Waldweg“ (1932) seines Landsmannes Camille Bombois, der in seinem „impressionistischen“ Idyll „Mühle am Fluss“ von 1928 überhaupt nicht naiv mit den Spiegelungen im Wasser spielt.

Rousseau staffelt für sein „Segelschiff“ von 1890 die Landschaft mit Häuschen und Bäumen genauso zu einer Kulisse ohne perspektivische Tiefe, wie es der Rheinländer Josef Wittlich für seine starkfarbige Burgenlandschaft „Stolzenfels am Rhein“ macht. Der Niederländer Leonardus Neervoort, Liebhaber von Paraden und Volksfesten, sortiert seine Menschenmengen in Reih und Glied: Der „Karneval“ des Malers aus Den Haag mit Fahnen, Masken, Giebelhäusern lässt entfernt an die Grusel- Motive James Ensors denken. Und was schert den Ex-Bergmann Erich Bödeker aus Recklinghausen zoologische Exaktheit, wenn er seinem schrulligen Relief „Zwei Pferde“ einen Griff wie einem Koffer verpassen kann?

Dass überbordende Kreativität sich auch gerade in religiösen Motiven Bahn bricht, wird in der Neusser Ausstellung da deutlich, wo sich manch frommer Maler selbst als Engel oder Heiliger darstellt. Dramatische Bibelszenen wie das Großformat „Verspottung Jesu“ haben dem an der rheinschen Avantgarde der 20er Jahre geschulten Adalbert Trillhaase (1858-1936) zu Recht den Ehrennamen eines „deutschen Rousseau“ eingebracht.

www.clemens-sels-museum-neuss.de

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