Wenn Zwerge wahlkämpfen

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Politskandal: 400 der SPÖ-Zwerge sind verschwunden.
Politskandal: 400 der SPÖ-Zwerge sind verschwunden. (Foto: Wiki)
Schwäbische Zeitung
Rudolf Gruber

Es ist mutig, den Gartenzwerg zum Wahlkampfmaskottchen zu küren. Die Vorarlberger Sektion der Sozialdemokratischen Partei Österreichs (SPÖ) ging dieses Wagnis ein, weil ihr in der verzweifelten Lage, bei der Regionalwahl im September erstmals unter die Zehn-Prozent-Marke zu rutschen, wenig mehr übrig bleibt als sich den Wählern selbstironisch als Zwergenpartei zu präsentieren.

Statt Wahlplakate zu kleben hat man Hunderte Gartenzwerge ausgesetzt, in der Hoffnung, mit dieser putzigen Idee ein paar Wählerstimmen mehr zu gewinnen als die letzten treuen Genossen noch hergeben. So baumeln im „Ländle“, wie die Vorarlberger ihr Bundesland liebevoll nennen, Hunderte bunte Wichtel auf Laternenmasten drei Meter über Straßenniveau, Täfelchen hochhaltend mit Wahlbotschaften wie: „Stark für Ritsch!“

„Kaschperletheater“

Michael Ritsch, Spitzenkandidat der Vorarlberg-SPÖ, und seine Wahlkämpfer haben die Folgen ihrer Idee gründlich falsch eingeschätzt. Der Zwergengag hat im Ausland mehr Aufsehen erregt als im Ländle selbst, wo man alemannisch nüchtern bloß von einem „Kaschperletheater“ spricht. Erst hat darüber die Wiener BBC-Korrespondentin Bethany Bell eine Reportage geschrieben, daraus filterte die US-Agentur AP eine Meldung, die dann die Washington Post ins Blatt rückte. Danach schwappte die Geschichte wieder zurück in europäische Medien.

Naja, Wahlkampfzwerge alleine hätten den transatlantischen Sprung wohl nicht geschafft, da musste schon noch etwas Dramatisches passieren. Ist es auch: 400 der Gartenzwerge sind über Nacht auf bislang unerklärliche Weise verschwunden. Ritsch verdächtigt politische Gegner des Zwergen-Kidnappings, denn anstelle der gestohlenen Gnome hängen jetzt auf den Laternenmasten Plakate der konservativen ÖVP, notabene die traditionelle Regierungspartei im Ländle. Deren Wahlkampfstrategen weisen die Anschuldigung energisch zurück und argwöhnen, die SPÖ habe diese ganze Geschichte selbst inszeniert, um maximale Aufmerksamkeit zu erregen.

Jetzt ist ein Video aufgetaucht, das angeblich die wirklichen Gartenzwergdiebe bei ihrem schändlichen Treiben zeigt. Die Polizei ermittelt noch. BBC und Washington Post werden gewiss über das Ergebnis berichten.

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