Weltrekordergebnis für Yves-Saint-Laurent-Nachlass

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Deutsche Presse-Agentur

Die Jahrhundertversteigerung der Kunstsammlung von Yves Saint Laurent in Paris hat allen Herausforderungen die Stirn geboten.

Trotz Finanzkrise und Streit mit China um Millionen teure Bronzeskulpturen hat die Kollektion mit mehr als 373,5 Millionen Euro nicht nur den Weltrekord für eine versteigerte Privatsammlung gebrochen, sondern auch den höchsten Umsatz erzielt, den je eine Auktion in Europa erreicht hat. Das Auktionshaus Christie's sprach von einer historischen Versteigerung. „Qualität kennt keine Finanzkrise“, sagte Pierre Bergé, der zusammen mit dem Modeschöpfer die 730 Werke umfassende Kollektion in 50 Jahren aufgebaut hat.

„Alle rieten mir wegen der Finanzkrise von dieser Auktion ab“, berichtete der Geschäftsmann und Lebensgefährte des im Juni 2008 gestorbenen Yves Saint Laurent nach der dreitägigen Versteigerung im Pariser Grand Palais. Deshalb habe er diese Versteigerung auch ohne jegliche Garantien von Seiten des britischen Auktionshauses akzeptiert, das die Kollektion ursprünglich auf 300 Millionen Euro geschätzt hat.

Auf der einzigartigen Versteigerung, die am Mittwochabend zu Ende ging, jagte ein Rekord den nächsten: Ein Werk von Henri Matisse kam für 35,9 Millionen Euro (einschließlich Aufpreis) unter den Hammer, ein neuer Höchstpreis für ein Werk des französischen Malers. Eine weitere sensationelle Rekordsumme brachte die Holzfigur „Madame L.R“ von Constantin Brancusi, die auf maximal 20 Millionen Euro geschätzt wurde und schließlich für mehr als 29,1 Millionen Euro den Besitzer wechselte.

Die Liste der Topwerke ist lang: Laut Christie's gab es in den drei Tagen neue Höchstpreise für Arbeiten von insgesamt 12 Künstlern. Millionensummen brachten auch die beiden chinesischen Tierkopf- Skulpturen aus dem 18. Jahrhundert. Sie wurden trotz heftiger Proteste von Seiten der chinesischen Regierung, die die Kunstwerke als nationales Kulturgut betrachtet, für insgesamt 28 Millionen Euro (ohne Aufpreis) von einem namentlich nicht genannten Telefonbieter ersteigert.

China hatte bis zuletzt versucht, die Veräußerung der Skulpturen zu verhindern. Doch ein Pariser Gericht hatte die Restitutionsanprüche abgelehnt. Jetzt hat China weitgehende Sanktionen gegen das Auktionshaus Christie's erlassen. Peking will zusätzlich zu den üblichen Zollverfahren besondere Kontrollen „auf allen Ebenen“ für die Ein- und Ausfuhr von Kulturgütern durch das Auktionshaus, seine Agenten und Beschäftigen. Die Restitutionsanprüche waren damit begründete worden, dass die beiden Tierköpfe aus Bronze, ein Hase und eine Ratte, vor 150 Jahren aus dem Sommerpalast in Peking von Kolonialtruppen erbeutetet worden seien.

Christie's beruft sich auf die rechtmäßige Herkunft der beiden Skulpturen, deren Wert ursprünglich auf je 9 Millionen Euro geschätzt worden war. In Frankreich vermutet man hinter den Sanktionen Pekings politische Gründe, denn seit den massiven Protesten während des olympischen Fackellaufs durch Paris und der Unterstützung aus Paris für den Dalai Lama ist das Verhältnis zu Frankreich sehr gespannt. Pierre Bergé hatte China die Rückgabe der beiden Skulpturen angeboten unter der Voraussetzung, dass Tibet befreit werde, der Dalai Lama zurückkommen dürfe und China die Menschenrechte respektiere.

„Ich habe bewiesen, dass man auch in Paris Kunst verkaufen kann und nicht nur in London oder New York“, erklärte Bergé auf einer Pressekonferenz nach der Jahrhundertversteigerung, zu der Kunstliebhaber aus aller Welt gekommen waren. Laut Christies waren 30 Prozent der Käufer Amerikaner, die restlichen 70 Prozent seien aus Europa gekommen, darunter 12 Prozent aus Frankreich. Mit dem Erlös will Bergé den Nachlass von Yves Saint Laurent verwalten und durch die Stiftung Pierre Bergé und Yves Saint Laurent die Aids-Forschung unterstützen.

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