Weltraumbehörde will Raumfahrtschrott überwachen

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Deutsche Presse-Agentur

Die europäische Weltraumbehörde ESA will künftig den Weltraumschrott selbst überwachen. In der vergangenen Woche waren über Sibirien zwei Satelliten der Weltraummächte Russland und USA kollidiert.

Der Zusammenprall stelle ein Risiko für die auf selber Höhe fliegenden ESA-Satelliten dar, sagte der Leiter des ESA-Raumfahrtkontrollzentrums (ESOC), Gaele Winters, am Montag in Darmstadt. Europa brauche sein eigenes Überwachungssystem, bisher sei die ESA auf US-Informationen angewiesen. Außerdem will die ESA in diesem Jahr mit mehreren Satellitenstarts unter anderem neue Erkenntnisse über den Klimawandel und den Ursprung des Universums erlangen.

Der Zusammenprall der Satelliten habe eine enorme Menge an Schrott verursacht. „Man muss in der Beobachtung noch sehr viel mehr tun“, sagte der Leiter der für Weltraummüll zuständigen Abteilung, Jean-François Kaufeler. Es seien präzisere Daten nötig, um Kollisionen zu vermeiden. Bei einer internationalen Konferenz wollen sich in Darmstadt vom 30. März bis zum 2. April Fachleute über das Thema austauschen. Als Resultat einer europäischen Initiative soll die ESA dann in einigen Jahren das All eigenständig überwachen können.

Als Weltraumschrott werden von Menschen hergestellte Teile bezeichnet, die keine Funktion mehr haben und im All ihre Bahnen ziehen. Die US-Weltraumbeobachtung registrierte etwa 13 000 solcher Objekte, die tatsächliche Menge wird von der ESA auf mehrere hunderttausend Teile geschätzt. Bereits der Aufprall eines Ein- Zentimeter großen Stückes könnte einen Satelliten schwer beschädigen und dessen Mission beenden.

Die Sonden können zwar ausweichen, brauchen dafür aber präzise Daten, die es für kleine Schrottteile nicht gibt. Während die meisten Teile aus dem All beim Eintritt in die Atmosphäre verglühen, könne bei größeren und massiven Objekten Teile auch auf die Erde fallen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen oder Gebäude von herabfallendem Weltraummüll getroffen werden, sei jedoch sehr gering, so die ESA. Nach der Satellitenkollision in der vergangenen Woche könnten einige Teile in der Erdatmosphäre aufgeglüht sein. Nach Medienberichten meldeten sich am Sonntag bei den Behörden im US-Bundesstaat Texas zahlreiche Bürger, die geheimnisvoll leuchtende Kugeln am Horizont gesehen hatten. Die US-Flugaufsichtsbehörde FAA bestätigte bis zum Montag nicht, dass es sich um Satelliten-Trümmer handelte.

Mit dem Start von vier Erdbeobachtungssatelliten will die ESA neue Erkenntnisse über die Welt erlangen. Am 16. März soll der europäische Erdbeobachtungssatellit „Goce“ vom russischen Weltraumbahnhof Plesetsk abheben, dessen Start im vergangenen Jahr wegen technischer Probleme immer wieder verschoben wurde. „Goce“ soll den Anstieg des Meeresspiegels zentimetergenau messen und zur Erforschung von Erdbeben beitragen. Im Juli starten zwei weitere Satelliten; ab November soll der neue Erdbeobachter „CryoSat II“ vom All aus die Dicke von Treibeis messen. Die Daten sollen helfen, die Wechselwirkung des Polareises mit dem globalen Klima besser zu verstehen. Am 16. April schickt die ESA außerdem die bisher größten Infrarot-Teleskope namens „Herschel“ und „Planck“ ins All. Sie sollen helfen, Erkenntnisse über den Ursprung des Universums zu gewinnen.

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