Weltgeschichte: „Atlas der verschwundenen Länder“

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Deutsche Presse-Agentur

Eine Drei-Pfennig-Briefmarke mit dem Schriftzug „Kiautschou“ ist alles, was von den fernöstlichen Kolonialträumen Kaiser Wilhelms II. übrig geblieben ist. Die deutsche Kolonie Kiautschou in China war genauso flüchtig wie die Südseefantasien des Kaiserrreichs.

Das Karolinen-Archipel ging ebenfalls schon im Ersten Weltkrieg wieder verloren. Geblieben ist eine 20-Pfennig-Briefmarke mit Reichswappen und Adler.

Man muss kein Briefmarkensammler sein, um Björn Berges „Atlas der verschwundenen Länder“ über die Weltgeschichte in 50 Briefmarken faszinierend zu finden. Denn die historischen Postwertzeichen erinnern nicht nur an längst verblasste Kolonialreiche, sondern auch an verwehte Freiheitsträume oder nie realisierte Territorialansprüche.

Wem ist heute etwa noch der faschistische Freistaat Fiume bekannt, der von 1920-1924 im heutigen Kroatien existierte? Oder die Tuwinische Volksrepublik? Schon eher dürfte noch Biafra im Gedächtnis geblieben sein. Die Briefmarken stehen somit auch für gescheiterte Kämpfe, unerfüllte Träume und Erwartungen.

- Björn Berge: Atlas der verschwundenen Länder. Weltgeschichte in 50 Briefmarken, dtv München, 240 Seiten, 26,00 Euro, ISBN 978-3-423-28160-7.

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